Persönliche KI-Agenten — OpenClaw, Hermes und was davon zu uns passt
OpenClaw und Hermes sind Programme, die man auf dem eigenen Rechner laufen lässt und denen man per Chat Aufträge gibt: Dateien lesen, Termine setzen, Dienste bedienen. Beide sind quelloffen, beide gehören zu den meistbeachteten Projekten des Jahres — und beide haben eine Sicherheits-Geschichte, die man kennen muss, bevor man sie anfasst.
Beide Programme sind derselbe Bauplan: ein dauerhaft laufender Vermittler auf eigener Hardware, an den Chat-Kanäle, Werkzeuge und ein frei wählbares Sprachmodell angeschlossen werden. Für uns interessant ist nicht das Programm, sondern der Anschluss: Beide sprechen MCP, das Protokoll, über das wir unsere App-Werkzeuge ohnehin schon anbieten. Wir müssen keinen Agenten bauen, um an dieser Bewegung teilzuhaben — wir müssen anschlussfähig sein. Selbst einsetzen würden wir einen solchen Agenten nur eingesperrt, ohne fremde Erweiterungen und ohne offene Tür ins Netz: Genau daran ist die Szene 2026 reihenweise gescheitert.
Ein Sprachmodell allein kann reden. Es kann keine Datei öffnen, keinen Termin eintragen, keine Nachricht verschicken. Damit aus dem Reden Handeln wird, braucht es ein Programm dazwischen: Es nimmt den Auftrag entgegen, fragt das Modell, führt aus, was zurückkommt, und merkt sich das Ergebnis. Solche Programme gibt es seit Jahren. Neu ist, dass 2026 zwei davon in einer Weise populär geworden sind, die man nicht mehr übersehen kann — und dass beide quelloffen sind und auf eigener Hardware laufen.
OpenClaw: das Ding mit dem Hummer
OpenClaw ist im Januar 2026 aus einem Wochenend-Projekt des Entwicklers Peter Steinberger entstanden und hat innerhalb von Wochen eine Aufmerksamkeit erreicht, wie sie sonst kein quelloffenes Projekt bekommt. Es hat in dieser Zeit zweimal den Namen gewechselt: erst von „Clawdbot“ zu „Moltbot“, weil Anthropic den Anklang an den eigenen Modellnamen beanstandete, dann wenige Tage später zu OpenClaw. Der Hummer als Maskottchen ist geblieben. Heute steht hinter dem Projekt eine eigene Stiftung, und im Quelltext-Verzeichnis stehen Sponsoren-Namen wie OpenAI, GitHub, NVIDIA und Vercel.
Technisch ist OpenClaw ein dauerhaft laufender Vermittler auf dem eigenen Rechner. An ihn werden Kanäle angeschlossen — WhatsApp, Telegram, Discord, Slack und über zwanzig weitere —, sodass man dem Agenten schlicht schreibt wie einem Menschen. Er hat Zugriff auf Dateien, kann Programme starten und einen Browser steuern. Erweiterungen, im Projekt „Skills“ genannt, kommen aus einem öffentlichen Verzeichnis. Das Sprachmodell ist frei wählbar: Anthropic, OpenAI, Google, ein Vermittler wie OpenRouter oder ein selbst betriebener Dienst mit kompatibler Schnittstelle.
Hermes: dasselbe, aber mit Gedächtnis als Verkaufsargument
Hermes Agent kommt von Nous Research, einer Forschungsgruppe, die vor allem für frei herunterladbare Sprachmodelle bekannt ist, und ist im Februar 2026 erschienen. Der Bauplan ist derselbe: ein Server auf eigener Hardware, Chat-Kanäle davor, Werkzeuge dahinter, MIT-Lizenz, kein Zwang zu irgendeiner Wolke. Der Unterschied, mit dem das Projekt wirbt, ist eine Lernschleife — der Agent führt ein Gedächtnis über Sitzungen hinweg, schreibt sich selbst Anleitungen für wiederkehrende Aufgaben und durchsucht seine eigenen alten Gespräche.
Bemerkenswert ist, wie offen sich Hermes an OpenClaw anlehnt: Die Einrichtung erkennt eine vorhandene OpenClaw-Installation und bietet an, Gedächtnis, Fähigkeiten und Zugangsdaten zu übernehmen. Daneben verkauft Nous Research ein Abonnement, das Modell-Zugriff und einige fertige Zusatz-Dienste bündelt. Man braucht es nicht — der freie Tarif enthält allerdings auch kein Guthaben.
Die Alternativen
Wer nicht messenger-artig arbeiten will, findet ausgereifte Nachbarn:
goose kommt ursprünglich von Block, ist in Rust geschrieben und liegt seit April 2026 bei der Agentic AI Foundation unter dem Dach der Linux Foundation — demselben Dach, unter das im Dezember 2025 auch MCP gewandert ist. Apache-2.0, Arbeitsplatz-Programm und Kommandozeile, konsequent auf MCP gebaut, läuft mit lokalen Modellen. Von allen hier ist das die institutionell stabilste Wahl.
OpenHands ist auf Programmieren spezialisiert, läuft eingesperrt in Containern und ist die Referenz, wenn ein Agent selbstständig Quelltext ändern soll.
Letta ist kein Agent, sondern eine Laufzeit-Umgebung, deren einziges Thema das Gedächtnis ist: gestuft in Kern-, Rückruf- und Archiv-Speicher, vom Agenten selbst verwaltet, in einer Datenbank abgelegt. Wer das Gedächtnis-Problem ernsthaft angeht, landet hier — zahlt aber mit der Bindung an die ganze Plattform.
Khoj dreht die Frage um: nicht ein Agent, der handelt, sondern ein zweites Gehirn, das die eigenen Dokumente durchsuchbar macht.
Und dann gibt es das kommerzielle Feld — Claude Code, Cursor und Verwandte —, das in der Sache oft weiter ist, aber nicht selbst betrieben werden kann und für unsere Zwecke deshalb nur als Werkzeug taugt, nicht als Fundament.
Was 2026 schiefgegangen ist
Die eigentliche Lehre dieses Jahres steckt nicht in den Funktionen, sondern in den Vorfällen. Sie kamen aus drei Richtungen.
Die offene Tür. OpenClaw hörte anfangs auf allen Netz-Schnittstellen statt nur auf der eigenen Maschine und behandelte alles, was von dort zu kommen schien, als vertrauenswürdig. Wer den Dienst hinter einen üblichen Vor-Server stellte, machte damit unabsichtlich jeden Fremden zum Besitzer. Sicherheits- Forscher fanden binnen Sekunden Installationen, aus denen Modell-Schlüssel, Chat-Zugangsdaten und vollständige Gesprächsverläufe zu lesen waren. Über die Gesamtzahl gehen die Angaben weit auseinander; dass es viele Tausend waren, bestreitet niemand.
Der Marktplatz. Erweiterungen laufen im selben Prozess wie der Agent und mit allen seinen Rechten. Bei einer vollständigen Prüfung des offiziellen Verzeichnisses im Februar 2026 waren 341 von 2.857 Erweiterungen bösartig, der größte Teil aus einer einzigen Kampagne. Nachgeschobene Prüfungen haben das Gröbste eingedämmt, aber noch Monate später fanden Forscher durchgerutschte Fälle.
Die untergeschobene Anweisung. Ein Agent, der Webseiten liest und Nachrichten empfängt, liest zwangsläufig auch Text, den ein Angreifer verfasst hat. Steht darin eine Anweisung, kann sie befolgt werden — bis hin dazu, dass der Agent Daten in eine Adresse verpackt, die er selbst abruft. Das ist kein Fehler einer Fassung, sondern eine Eigenschaft der Bauform: Zwischen „Daten, die der Agent liest“ und „Befehlen, die er ausführt“ gibt es keine harte Grenze.
Microsoft hat daraus im Februar 2026 die kürzeste brauchbare Merkregel gemacht: Man solle einen solchen Agenten behandeln wie fremden Programmcode, der mit den eigenen dauerhaft gespeicherten Zugangsdaten läuft. Genau so ist es. Beide Projekte haben inzwischen nachgezogen — Rückschleifen-Bindung als Vorgabe, Freigabe-Verfahren für unbekannte Absender, Container-Abschottung, Erweiterungs-Listen. Der Bauplan bleibt trotzdem der eines Programms mit sehr weitreichenden Rechten.
Unsere Haltung dazu
Wir bauen keinen eigenen persönlichen Agenten. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis, und die beiden hier funktionieren.
Was wir tun können, kostet fast nichts: dafür sorgen, dass unsere Apps von außen bedienbar sind, wenn jemand einen solchen Agenten betreibt. Das Protokoll dafür haben wir schon im Haus, den Werkzeug-Server auch. Wer sich OpenClaw oder Hermes hinstellt, soll damit seine eigenen Notizen, Bilder und Termine bei uns erreichen können — und zwar unter seinem eigenen Zugang, mit unseren Zählwerken davor.
Und wenn wir selbst einmal einen betreiben, dann eingesperrt, ohne fremde Erweiterungen, mit einem Modell auf der eigenen Grafikkarte und ohne offene Tür ins Netz. Das ist keine besondere Vorsicht. Das ist die Regel, nach der bei uns ohnehin jeder Dienst läuft.
Was das für mana bedeutet
- Der wichtigste Satz für uns steht nicht im Werbetext, sondern in der Konfiguration: Beide Agenten können sich an fremde Werkzeug-Server nach dem Model-Context-Protocol-Standard anschließen. Genau so einen Server betreiben wir mit `mana-mcp` selbst — er sammelt die Werkzeuge unserer Apps ein und liefert sie an KI-Programme aus. Wer sich also einen persönlichen Agenten hinstellt, kann unsere Apps darin bedienen, ohne dass wir eine Zeile dafür schreiben. Das ist der billigste Weg, in einer fremden Bewegung vorzukommen: anschlussfähig sein statt mitbauen.
- Beide Programme sind beim Sprachmodell offen — jeder Dienst mit OpenAI-kompatibler Schnittstelle geht, auch der eigene. Damit sind sie ein Beleg für unsere Grund-Annahme und kein Gegenbeweis: Der Agent auf dem Tisch, das Modell auf der eigenen Grafikkarte, die Werkzeuge aus dem eigenen Verzeichnis — diese Kette existiert, sie ist Alltag geworden, und kein Anbieter steht zwingend darin. Unsere GPU-Box mit lokalen Modellen ist an dieser Stelle nicht Bastelei, sondern das fehlende Stück.
- Die Bauform bestätigt, was wir verstreut schon haben: ein dauerhaft laufender Vermittler, Kanäle für Nachrichten, ein Gedächtnis, geplante Aufgaben, abgeschottete Ausführung. Bei uns heißt das mana-notify, postfach, mana-llm, mana-mcp — nur eben pro App gedacht und nicht pro Person. Ob wir das je zu einem „Vereins-Assistenten“ zusammenziehen, ist offen. Dass die Einzelteile schon stehen, ist die Nachricht.
- Die Sicherheits-Geschichte ist für uns keine Warnung, sondern eine Bestätigung unserer eigenen Regel. OpenClaw hörte anfangs auf allen Netz-Schnittstellen und vertraute allem, was von der eigenen Maschine zu kommen schien — hinter einem üblichen Vor-Server sah damit jeder Fremde wie der Besitzer aus. Wir haben unsere Dienste im letzten Jahr genau gegenläufig umgestellt: Nur die Rückschleife hört, nach außen geht ausschließlich der Tunnel. Diese Regel hätte den ganzen Vorfall verhindert. Es lohnt sich, das einmal laut zu sagen, statt es nur zu tun.
- Gegen einen öffentlichen Erweiterungs-Marktplatz sind wir damit ebenfalls geimpft. Unsere Werkzeuge kommen aus den Manifesten unserer eigenen Apps, geprüft und versioniert; es gibt keinen Ort, an dem jemand Fremdes etwas hineinlegen könnte, das anschließend mit unseren Rechten läuft. Was bei OpenClaw als Wachstums-Motor gefeiert wurde, war der Angriffsweg. Bequemlichkeit an dieser Stelle wäre teuer.
- Beim Geld lohnt der zweite Blick. Beide Projekte stehen unter der MIT-Lizenz, beide sind ehrlich selbst betreibbar — aber Hermes verkauft daneben ein Abonnement, das Modelle und fertige Zusatz-Dienste bündelt, und OpenClaw wird von großen Anbietern gesponsert. Das ist nicht verwerflich, es ist das übliche Muster: Der Kern bleibt offen, die Bequemlichkeit kostet. Wir kennen das Muster und messen solche Projekte daran, ob der Selbstbetrieb später noch gleichwertig ist.
Offene Punkte
- Wir haben keines der beiden Programme selbst laufen lassen. Alles hier steht auf den Projekt-Dokumentationen, den Quelltext-Verzeichnissen und der Berichterstattung Dritter. Belastbar wird eine Empfehlung erst mit einem eingesperrten Testlauf gegen unseren eigenen Werkzeug-Server — und der ist bisher nicht geplant.
- Die kursierenden Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen. Zur Zahl der offen im Netz stehenden OpenClaw-Installationen finden sich Angaben von rund 900 bis über 300.000, je nach Suchmuster und Zeitpunkt; auch die Bekanntheits-Zahlen der Verzeichnisse werden in vielen Zweitquellen munter falsch abgeschrieben. Wir nennen hier Größenordnungen, keine Messungen.
- Ob ein persönlicher Agent für unsere Mitglieder überhaupt erstrebenswert ist, haben wir nicht entschieden. Wer so etwas anbietet, unterstützt nicht mehr nur seine Apps, sondern ein Programm, das im Namen des Nutzers auf dessen Rechner handelt. Das ist eine andere Zusage und eine andere Haftung.
- Das Verkaufs-Versprechen „der Agent lernt dazu“ ist unbelegt. Beide Projekte schreiben sich ein Gedächtnis und selbstgebaute Fähigkeiten zu; eine unabhängige Messung, ob das über Wochen wirklich besser wird oder nur mehr Text ansammelt, kennen wir nicht. Ein selbst gepflegtes Gedächtnis ist zudem ein Angriffsziel: Wer einmal hineinschreiben darf, schreibt dauerhaft mit.
- Der Vergleich mit den Alternativen ist Schreibtisch-Arbeit geblieben. Goose und OpenHands haben wir nicht gegen unsere eigenen Aufgaben gestellt, sondern nur eingeordnet. Für eine Entscheidung müsste man je eine Woche mit einem der drei arbeiten.
Quellen Dritter
Was wir hier berichten, berichten andere zuerst und mit eigenem Namen daneben. Datum dort, wo es belegbar ist.
- OpenClaw — Quelltext-Verzeichnis, Lizenz und Funktionsumfang2026-08-02
- OpenClaw — Sicherheits-Handbuch des Projekts (Vertrauensgrenzen, Bindung, Erweiterungen)
- Forbes — „Moltbot Molts Again And Becomes OpenClaw“ (Umbenennungen und erste Kritik)2026-01-30
- Microsoft Security — „Running OpenClaw safely: identity, isolation, and runtime risk“2026-02-19
- The Hacker News — „ClawJacked“: fremde Webseiten übernehmen lokale Agenten über die Steuer-Verbindung2026-02
- The Hacker News — Prompt-Einschleusung und Daten-Abfluss über Link-Vorschauen in Chat-Kanälen2026-03
- Palo Alto Unit 42 — der Erweiterungs-Marktplatz als Lieferketten-Risiko
- Dark Reading — weitere bösartige Erweiterungen im offiziellen Verzeichnis
- Bitsight — Auswertung offen im Netz stehender Agenten-Installationen
- Hermes Agent — Quelltext-Verzeichnis von Nous Research2026-08-02
- Hermes Agent — Anschluss an fremde Werkzeug-Server über MCP
- Hermes Agent — Nous Portal, das Abonnement hinter dem offenen Kern
- Linux Foundation — Gründung der Agentic AI Foundation mit MCP, goose und AGENTS.md
- goose — Übergang in die Agentic AI Foundation2026-04-07
- OpenHands — Übersicht quelloffener, selbst betreibbarer Programmier-Agenten2026-06-25
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