Recherchen · KI · geprüft 2026-08-06
Kann ein ausgemusterter Büro-PC ohne Grafikkarte Sprache in Text verwandeln — gut genug und schnell genug?

Spracherkennung auf einem zehn Jahre alten Büro-PC

59 Messungen auf ausgemusterten Mini-PCs ohne Grafikkarte: elf Verfahren, vier Testkorpora bis zu 80 Minuten Länge. Die Kiste schreibt eine Stunde Sitzung in 18,6 Minuten mit, bei 6,2 % Wortfehlern. Der Gewinn kam nicht vom Modell — sondern davon, wie man es ausführt und wie man das Audio anliefert.

Der Befund

Ja, und mit deutlichem Abstand. Ein HP EliteDesk von 2017 transkribiert deutsche Rede mit 6,2 % Wortfehlern in gut dreifacher Echtzeit — an einer achtzigminütigen Aufnahme sogar genauer als an kurzen Schnipseln. Entscheidend waren zwei Stellschrauben, die nichts mit der Modellwahl zu tun haben: die Laufzeitumgebung (Faktor 3 bei identischen Gewichten) und der Zuschnitt des Audios (halbierte Fehlerrate bei identischem Modell). Neun klassische Optimierungsversuche brachten dagegen nichts.

4,6×
schneller als der naive Ausgangspunkt — ohne einen Punkt Genauigkeit zu opfern, auf derselben Hardware
Eigene Messung auf mana-node-3 (i5-7500, 4 Kerne, ohne Grafikkarte), 6. August 2026
Die drei brauchbaren Betriebspunkte · Faktor Echtzeit · 1,0 = so lang wie die Aufnahme
Durchsatz: Parakeet + Schnitt an Sprechpausen
14.2
Ausgewogen: faster-whisper + Stapelverarbeitung
3
Genauigkeit: faster-whisper + Sprachpausen-Filter
2.1
Ausgangspunkt: whisper.cpp am Stück
1.1
Ausgangspunkt: whisper.cpp in Schnipseln
0.65

Quelle: Eigene Messung an einer durchgehenden Aufnahme von 297 s.

Genauigkeit nach Materialart · Wortfehlerrate · weniger ist besser
Parlamentsrede · Parakeet
6.8 %
Parlamentsrede · whisper.cpp
8.9 %
Parlamentsrede · faster-whisper
9.3 %
Hörbuch · faster-whisper + VAD
8.8 %
Hörbuch · faster-whisper
9.5 %
Hörbuch · Parakeet
13.7 %
Telefon · whisper.cpp
23.3 %
Telefon · Parakeet
24.9 %
Telefon · faster-whisper
25.1 %

Quelle: Eigene Messung · Hörbuch (MLS), Parlamentsreden (VoxPopuli), Telefonbanking (MINDS-14).

Derselbe Schnitt, dasselbe Modell · nur die Schnittstellen anders · Wortfehlerrate
alle 20 s geschnitten (nach der Uhr)
36.1 %
alle 30 s geschnitten (nach der Uhr)
34.4 %
gar nicht geschnitten
27.9 %
an Sprechpausen geschnitten, max. 30 s
18.3 %
an Sprechpausen geschnitten, max. 20 s
15.3 %

Quelle: Eigene Messung · Parakeet auf identischer 297-s-Aufnahme.

Neun Versuche, den Sieger schneller zu machen · Faktor Echtzeit · keiner half
Standard (int8)
1.93
ohne Suchbaum (greedy) — aber ungenauer
1.98
andere Zahlendarstellung
1.95
Sprachpausen-Filter
1.94
Stapelverarbeitung
1.94
volle Genauigkeit (float32)
1.51
zwei Arbeiter parallel
1.35

Quelle: Eigene Messung — Varianten von faster-whisper auf identischem Material.

Eine echte Stunde: 79,6 Minuten am Stück · Wortfehlerrate · weniger ist besser
KI-Workstation zum Vergleich (142× echtzeit)
5.4 %
faster-whisper + Stapelverarbeitung · 3,2×
6.2 %
faster-whisper + Sprachpausen-Filter · 2,3×
6.4 %
Parakeet + Schnitt an Sprechpausen · 14,3×
12.5 %

Quelle: Eigene Messung an 300 zusammenhängenden Aufnahmen, 9.044 geprüfte Referenzwörter.

Arbeitsspeicher an der Stunde · GB · die Maschine hat 7,8
faster-whisper + Sprachpausen-Filter
7.5
faster-whisper + Stapelverarbeitung
5.2
Parakeet + Schnitt an Sprechpausen
2.8

Quelle: Eigene Messung, Spitzenverbrauch je Verfahren.

Einordnung

Der Verein hat drei ausgemusterte Büro-Mini-PCs im eigenen Haus gefunden, statt sie zu kaufen. Über sie stand in unserer eigenen Beschreibung ein Satz, der sich als falsch herausgestellt hat: KI-Modelle darauf zu rechnen sei „ohne Grafikkarte so langsam, dass es keinen Zweck hätte“.

Das haben wir nachgemessen — nicht überschlagen, nicht aus Datenblättern abgeleitet, sondern in 52 Läufen auf der echten Maschine.

Der Aufbau

Der Prüfling ist ein HP EliteDesk 800 G3 Mini von 2017: vier Rechenkerne, 8 GB Arbeitsspeicher, keine Grafikkarte. Ein Gerät, das Firmen unter den Schreibtisch stellen und nach fünf Jahren aussortieren.

Als Material dienen drei Korpora mit geprüften Referenztexten — ohne verlässliche Vorlage lässt sich keine Fehlerrate berechnen:

  • Hörbuch — 20 Ausschnitte deutscher Aufnahmen, sauber vorgelesen.
  • Parlamentsrede — 20 Redebeiträge aus dem Europäischen Parlament, alle mit von Hand geprüftem Transkript. Mehrere Sprecher, Saalakustik, halbspontane Rede: das dem Vereinsalltag am nächsten liegende Material.
  • Telefon — 25 Aufnahmen aus einem Bankdienst-Datensatz, verrauscht und spontan gesprochen. Der schwierige Fall.

Gemessen wurde die Wortfehlerrate: der Anteil an Wörtern, die eingefügt, ausgelassen oder verwechselt wurden.

Ein erster Anlauf war unbrauchbar, und das gehört zum Bericht. Wir hatten Testmaterial mit einer Sprachsynthese erzeugt, um eine bekannte Vorlage zu haben. Die Roboterstimme brachte die Erkennung zum Abbrechen: ein mittelgroßes Modell gab nach 18 % des Textes auf — und wirkte dadurch schneller als es ist, weil es schlicht weniger Arbeit tat. Wer nur auf die Stoppuhr geschaut hätte, wäre mit einer falschen Empfehlung herausgegangen.

Erster Befund: die Laufzeitumgebung schlägt das Modell

Wir hatten erwartet, dass ein besseres oder größeres Modell den Unterschied macht. Der größte Einzelhebel lag woanders.

Dieselben Modellgewichte laufen dreimal schneller, wenn man sie einer anderen Software zum Ausführen gibt. Whisper „turbo“ erreicht unter whisper.cpp 0,65-fache Echtzeit — eine Stunde Aufnahme braucht anderthalb Stunden. Unter CTranslate2 erreicht dasselbe Modell 1,93-fache Echtzeit, bei sogar etwas besserer Genauigkeit. Kein anderes Modell, keine andere Hardware, keine Abstriche — nur ein anderer Motor unter derselben Haube.

Zweiter Befund: der Zuschnitt des Audios zählt genauso viel

Der Effekt zeigte sich erst, als wir das Testmaterial änderten — und er hätte uns beinahe eine falsche Empfehlung untergeschoben.

Solange wir in 15-Sekunden-Schnipseln maßen, brachte keine der üblichen Optimierungen etwas. Sprachpausen überspringen: wirkungslos. Stapelverarbeitung: wirkungslos. Beides zusammen: wirkungslos. Der Grund war nicht das Verfahren, sondern der Prüfstand: In kurzen Schnipseln gibt es keine Pausen zu überspringen und keine Segmente zu bündeln.

Dieselbe Audiomenge am Stück ergab ein anderes Bild. Stapelverarbeitung hebt das Tempo auf 2,97-fache Echtzeit — 54 % mehr Durchsatz, bei unveränderter Genauigkeit. Und der Sprachpausen-Filter senkt die Fehlerrate auf 8,8 %, den besten Wert der ganzen Reihe. Beides zusammen geht nicht: Die Stapelverarbeitung zerlegt das Audio bereits selbst und überschreibt die Einstellung. Man wählt.

Noch deutlicher wird der Zuschnitt bei Parakeet. Dasselbe Modell, dieselbe Aufnahme, nur andere Schnittstellen: Alle 20 Sekunden nach der Uhr geschnitten ergibt 36,1 % Fehler — jeder Schnitt fällt mitten in ein Wort. An Sprechpausen geschnitten ergibt 15,3 %, bei gleichem Tempo. Die Fehlerrate mehr als halbiert, ohne das Modell anzufassen.

Was dabei herauskommt: drei Betriebspunkte

Zweck Verfahren Wortfehler Tempo
Durchsatz Parakeet + Schnitt an Sprechpausen 15,3 % 14,2×
Ausgewogen faster-whisper + Stapelverarbeitung 9,5 % 3,0×
Genauigkeit faster-whisper + Sprachpausen-Filter 8,8 % 2,1×

Gegenüber dem naiven Ausgangspunkt ist das der Faktor 4,6 — ohne einen Punkt Genauigkeit zu opfern.

Nachtrag: eine echte Stunde ändert die Empfehlung

Alle Zahlen oben stammen von Aufnahmen bis fünf Minuten. Weil sich daraus Stundenangaben nur hochrechnen ließen, haben wir den Test mit 79,6 Minuten zusammenhängendem Audio wiederholt — 300 verschiedene Aufnahmen, 9.044 geprüfte Referenzwörter.

Verfahren an 79,6 Minuten Wortfehler Tempo Speicher
faster-whisper + Stapelverarbeitung 6,2 % 3,22× 5,2 GB
faster-whisper + Sprachpausen-Filter 6,4 % 2,31× 7,5 GB
Parakeet + Schnitt an Sprechpausen 12,5 % 14,34× 2,8 GB

Längere Aufnahmen sind genauer, nicht ungenauer. Wir hatten mit dem Gegenteil gerechnet — mit Abdriften und Aussetzern. Tatsächlich sinkt die Fehlerrate deutlich (6,2 statt 9,5 %), und das Tempo steigt sogar leicht. Der Grund dürfte der längere Zusammenhang sein: Das Modell hält Namen und Schreibweisen über die Aufnahme hinweg konsistent, wo es bei Schnipseln jedes Mal neu raten muss. Eine Stunde Sitzung ist damit in 18,6 Minuten mitgeschrieben.

Der Sprachpausen-Filter fällt als Empfehlung weg. Auf kurzem Material war er die genaueste Wahl; über eine Stunde ist er es nicht mehr (6,4 gegen 6,2 %), braucht mehr Zeit — und 7,5 von 7,8 GB Arbeitsspeicher. Das ist die erste harte Grenze dieser Maschine: Bei einer zweistündigen Sitzung ginge ihr der Speicher aus. Die Stapelverarbeitung kommt mit 5,2 GB aus, Parakeet mit 2,8.

Für den Betrieb heißt das: Stapelverarbeitung ist die richtige Einstellung, und wer sehr lange Aufnahmen hat, nimmt Parakeet — es verarbeitet die Stunde in fünfeinhalb Minuten und ist beim Speicher am genügsamsten, weil es die Aufnahme ohnehin in Segmente zerlegt.

Die sparsamere Kiste ist die bessere

Zum Schluss haben wir dieselbe Messung auf einem der beiden älteren Schwestergeräte wiederholt — Baujahr 2015/16, ein 35-Watt-Prozessor gegen die 65 Watt des jüngeren. Die Erwartung war ein deutlicher Rückstand.

An 79,6 Minuten Wortfehler Tempo Leistung Energie je Stunde
i5-7500 · 65 Watt (2017) 6,2 % 3,22× 37,3 W 11,6 Wh
i5-6500T · 35 Watt (2015) 6,2 % 3,07× 27,1 W 8,8 Wh

Der ältere Rechner ist 5 % langsamer und verbraucht ein Viertel weniger. Die Genauigkeit ist auf die Nachkommastelle identisch — dasselbe Modell, dieselbe Software. Im Leerlauf ist der Abstand noch deutlicher: 0,2 Watt gegen 3,0.

Damit fällt eine Annahme, die wir nie geprüft hatten: dass für rechenintensive Arbeit das schnellere Gerät zu nehmen sei. Für Aufgaben, die ohnehin im Hintergrund laufen, ist die sparsame Variante die bessere — sie braucht kaum länger und kostet spürbar weniger Strom. Das jüngere Gerät bleibt trotzdem gesetzt, wo es um fremden Code geht: Es ist das einzige der drei ohne offene Prozessorlücke.

Auf dem sitzungsähnlichen Parlamentsmaterial liegen die Fehlerraten bei 6,8 % (Parakeet), 8,9 % (whisper.cpp) und 9,3 % (faster-whisper) — also durchweg besser als beim vorgelesenen Hörbuch. Die Bedenken, echte Rede mit mehreren Sprechern sei zu schwer, haben sich nicht bestätigt.

Was nichts brachte

Der ehrlichere Teil. Neun naheliegende Optimierungen wurden geprüft, keine half:

  • Modelle verkleinern (Quantisierung) — üblicherweise der erste Griff. Hier durchgehend ein Verlustgeschäft: Das verkleinerte Whisper-Modell war langsamer als das volle, weil das Entpacken mehr kostet als die kleinere Datenmenge einspart. Bei Parakeet verschlechterte es die Genauigkeit um vier Punkte, ohne Zeit zu sparen.
  • Ein größeres Modell — „large-v3“ ist schlechter und langsamer als das kleinere „turbo“.
  • Die Suche abkürzen — 3 % schneller, dafür messbar ungenauer.
  • Volle statt reduzierter Zahlengenauigkeit — langsamer, nicht genauer.
  • Zwei Vorgänge parallel — deutlich langsamer, in beiden geprüften Formen. Damit ist auch die Vermutung widerlegt, das Verfahren nutze die vier Kerne schlecht aus. Es nutzt sie bereits.
  • Die eingebaute Grafikeinheit. Die Fachpresse meldete für die jüngste whisper.cpp-Version bis zu zwölffache Beschleunigung durch integrierte Grafik. Auf unserer zehn Jahre alten Grafikeinheit ist es umgekehrt: 0,53-fach gegen 0,65-fach auf dem Hauptprozessor — langsamer. Die Werbezahl stammt von aktueller Grafik mit Matrix-Recheneinheiten, die es hier nicht gibt. Ein Nebeneffekt bleibt nützlich: Der Grafik-Lauf belegt nur ein Viertel eines Kerns statt aller vier.

Auch zwei viel beworbene Modelle enttäuschten. Canary-1B, auf öffentlichen Ranglisten als Genauigkeitsführer gehandelt, landete hinter beiden Whisper-Wegen. Und CrisperWhisper, ein eigens für Deutsch nachtrainiertes Modell, lieferte auf den Telefonaufnahmen 85,7 % Wortfehler. Ein Teil des Abstands erklärt sich damit, dass es absichtlich wörtlich transkribiert, samt „äh“ und Wiederholungen, während unsere Vorlagen geglättet sind. Die Größenordnung erklärt das nicht.

Ein Detail, das ohne Nachzählen als schlechte Erkennung durchgegangen wäre: whisper.cpp lieferte auf der langen Aufnahme 25,2 % Fehler. Die Zählung zeigt warum — es gab nur 439 von 524 Wörtern aus. Keine Halluzination, keine Wiederholungsschleife: Es überspringt Passagen. Wer nur die Fehlerrate betrachtet, hält ein Auslassen für ein Verwechseln.

Was das kostet

Der Rechner zieht 3 Watt im Leerlauf und 37 Watt bei der Spracherkennung, gemessen am Prozessor. Eine Stunde Audio zu transkribieren kostet damit rund 11,6 Wattstunden — auf dem sparsameren Schwestergerät sogar nur 8,8, also weniger als eine Stunde Fernsehen.

Der Vergleich mit der KI-Workstation fällt dabei anders aus, als man erwartet, und wir hatten ihn hier zunächst falsch dargestellt. Im Leerlauf ist der Büro-PC klar sparsamer: 3 Watt gegen 16 Watt allein für die Grafikkarte. Pro geleisteter Arbeit dreht sich das Verhältnis um. Die RTX 3090 zieht unter Last gemessene 247 Watt, ist dabei aber 44-mal schneller — und braucht deshalb für eine Stunde Audio nur rund 1,7 Wattstunden gegen 11,6 auf dem Büro-PC. Wer viel zu transkribieren hat, verbraucht auf der Grafikkarte weniger Strom, nicht mehr. Der sparsame kleine Rechner gewinnt nur, solange wenig zu tun ist.

Weil die Maschine im ausgeschalteten Zustand über das Netzwerk oder zu fester Uhrzeit von selbst hochfahren kann — beides haben wir geprüft, beides funktioniert —, ließe sich diese Arbeit in die Stunden legen, in denen die Sonne auf dem Dach mehr liefert, als das Haus verbraucht. Anfang August steht sie ab etwa 7:15 Uhr hoch genug dafür.

Ein Vorbehalt, der über allen Zahlen steht

Alle drei Korpora sind fremd und öffentlich — und das ist mehr als ein Schönheitsfehler. In Parakeets Trainingsdaten steht Multilingual LibriSpeech ausdrücklich drin, also unser Hörbuch-Testmaterial. Mit Europarl-ASR ist dieselbe Quelle vertreten wie bei unserem Parlamentskorpus: andere Aufnahmen, gleiches Haus, gleiche Rednerinnen und Redner. Whispers Trainingsdaten sind überhaupt nicht offengelegt, dort lässt sich nicht einmal prüfen.

Ein Modell, das seine Prüfungsaufgabe schon kennt, schneidet besser ab, als es soll. Die Absolutwerte in diesem Bericht sind deshalb eher zu gut. Die Rangfolge dürfte halten — sie wurde über drei sehr verschiedene Materialarten hinweg bestätigt —, aber wer wissen will, was auf der eigenen Vereinssitzung herauskommt, muss mit eigenem, nie veröffentlichtem Audio nachmessen. Das ist der nächste Schritt.

Was bleibt

Für den Verein ändert sich eine Zuständigkeit: Spracherkennung braucht weder Grafikkarte noch fremden Dienst. Sie läuft auf einem Gerät, das sonst im Schrank verstaubt wäre, schnell genug für den täglichen Betrieb und sparsam genug, um nebenbei zu laufen.

Der übertragbare Teil ist aber der andere. Beide großen Gewinne kamen nicht von einem neueren Modell, sondern davon, dasselbe Modell anders auszuführen und das Audio anders anzuliefern. Wer bei solchen Fragen zuerst nach mehr Hardware oder dem nächsten Modell greift, übersieht leicht den Faktor vier, der schon daliegt. Und beinahe hätten wir ihn selbst übersehen: Auf zu kurzen Testdateien sahen alle wirksamen Hebel wie Nieten aus. Das findet man nur durch Messen — und dadurch, dass man auch die neun Fehlschläge veröffentlicht.

Vereins-Bezug

Was das für mana bedeutet

  • Transkription kann auf einen Rechner aus dem Bestand — sie muss aber nicht. Die Nachmessung auf der KI-Workstation zeigt: dieselbe Aufgabe läuft dort an einer echten Stunde 44-mal schneller und verbraucht dabei sogar weniger Strom. Der Büro-PC ist damit kein Ersatz, sondern eine belastbare Ausweichmöglichkeit für den Fall, dass die Workstation ausfällt — was sie gelegentlich tut.
  • Der Satz „dafür sind die Kisten nicht gedacht" war falsch. Wir hatten bei den Bestandsrechnern notiert, KI-Modelle darauf zu rechnen sei „so langsam, dass es keinen Zweck hätte". Die Messung widerlegt das. Wir haben die Stelle korrigiert, statt sie stehen zu lassen.
  • Eine Vereinsversammlung ist mitschreibbar. Auf Parlamentsreden — mehrere Sprecher, Saalakustik, halbspontane Rede — liegen die Fehlerraten bei 6,8 bis 9,3 %. Das ergibt eine durchsuchbare Mitschrift, aus der sich Beschlüsse wiederfinden lassen.
  • Sparsam im Wortsinn: 0,2 bis 3 Watt im Leerlauf, 27 bis 37 Watt unter Volllast. Eine Stunde Aufnahme kostet 8,8 bis 11,6 Wattstunden — weniger als eine Stunde Fernsehen. Bei Sonnenschein trägt das die Hausanlage nebenbei.
  • Es gibt keine eine richtige Antwort, sondern zwei Betriebspunkte. Für ein Sitzungsprotokoll die Stapelverarbeitung (6,2 % in 18,6 Minuten je Stunde), für ein Archiv Parakeet (12,5 % in gut vier Minuten je Stunde). Der dritte Weg, der Sprachpausen-Filter, hat sich an der langen Aufnahme erledigt — er ist dort weder genauer noch schneller und braucht fast den ganzen Arbeitsspeicher.
Ehrlich benannt

Offene Punkte

  • Der Speicher ist die Grenze, nicht die Rechenzeit: Über 79,6 Minuten belegte der Sprachpausen-Filter 7,5 von 7,8 GB. Für zwei Stunden am Stück reicht diese Maschine nicht — dann braucht es Stapelverarbeitung (5,2 GB), Parakeet (2,8 GB) oder ein Aufteilen der Aufnahme.
  • Auch die längste Testaufnahme ist zusammengesetzt: 300 einzelne Hörbuchausschnitte hintereinander, kein einzelner Mitschnitt. Sprecherwechsel und Themensprünge sind darin also häufiger als in einer echten Sitzung.
  • Kein Satz eigenes Material. Alle drei Korpora sind fremd und öffentlich. Das ist mehr als ein Schönheitsfehler: Multilingual LibriSpeech steht ausdrücklich in Parakeets Trainingsdaten, und mit Europarl-ASR ist dieselbe Quelle wie unser Parlamentskorpus vertreten. Whispers Trainingsdaten wiederum sind gar nicht offengelegt. Alle Absolutwerte auf öffentlichen Korpora sind dadurch eher zu gut. Nur eigenes, nie veröffentlichtes Audio gibt eine ehrliche Zahl.
  • Auf Telefonqualität liegen alle Verfahren zwischen 23 und 27 % Wortfehlern. Das reicht für eine durchsuchbare Mitschrift, nicht für ein wörtliches Protokoll.
  • Vom älteren Schwestergerät wurde nur eines vermessen, und nur mit den beiden besten Verfahren — nicht die ganze Reihe. Für die Rangfolge der Verfahren untereinander bleibt das jüngere Gerät die Referenz.
  • Ob sich die Erkennung durch nachträgliche Korrektur mit einem Sprachmodell verbessern lässt — Fachbegriffe, Eigennamen, Vereinsvokabular —, haben wir nicht geprüft. Bei den 23 % auf Telefonqualität wäre da der meiste Spielraum.

Recherchen sind das Langform-Format. Die kurze, datierte Version solcher Entwicklungen sammelt die Souveränitäts-Chronik; die Grund-Annahmen, auf denen mana steht, stehen unter den Thesen.