Recherchen · KI · geprüft 2026-09-08
Ein Programm sammelt fremde KI-Agenten in einem Fenster und merkt sich, welcher gerade festhängt. Brauchen wir das — oder ist es tmux mit besserer Erzählung?

herdr — die Laufzeit, in der die Agenten wohnen

Wer mehrere KI-Agenten gleichzeitig arbeiten lässt, verliert nicht an Rechenleistung, sondern an Aufsicht: welches Fenster wartet seit zwanzig Minuten auf eine Freigabe, welcher Lauf ist mit der Verbindung gestorben. herdr setzt genau dort an — ein Rust-Programm, das die Terminals der Agenten übernimmt, ihren Zustand anzeigt und sie über Maschinengrenzen hinweg am Leben hält. Seit dem 22. Juli 2026 unter Apache-2.0.

Der Befund

herdr ist kein Modell, kein Agent und kein Assistent, sondern die Schicht darunter: der Ort, an dem die Terminals der Agenten laufen. Drei Dinge daran sind für uns neu, nicht bloss bequem. Erstens läuft die Arbeit in einem Hintergrund-Dienst weiter, wenn die Verbindung abreisst — bei uns sterben lange Läufe heute mit der Sitzung. Zweitens sieht man in einer Leiste, welcher Agent arbeitet, welcher wartet und welcher auf eine Freigabe festhängt, statt vier Fenster der Reihe nach abzuklappern. Drittens gibt es eine Steckdose zum Mitprogrammieren: ein lokaler Socket, über den ein Agent selbst Fenster öffnet, einem zweiten Agenten eine Frage stellt und wartet, bis der wirklich blockiert ist. Der Preis steht daneben und ist ehrlich zu nennen: 77 Prozent des Quelltexts stammen von einer Person, das Projekt ist 165 Tage alt, es steht vor der ersten Eins-Punkt-Null, und es hat seine Lizenz in dieser Zeit schon einmal gewechselt. Wir sollten es an einer Maschine ausprobieren und nichts darauf aufbauen, was wir nicht in einer Stunde wieder abhängen können.

77,2 %
So viel der bisherigen Beiträge stammt von einem einzigen Menschen: 1.196 von 1.549 Beiträgen. Weitere 204 kommen von Automaten des Projekts, die restlichen 149 verteilen sich auf 78 Personen. Das Verzeichnis trug am Messtag 36.452 Sterne und 711.261 abgerufene Programmdateien aus 86 Veröffentlichungen — Aufmerksamkeit ist reichlich da, getragen wird die Arbeit von einer Schulter.
Eigene Messung über die GitHub-Programmierschnittstelle, herdrdev/herdr, 2026-09-08
Wer schreibt herdr? (Beiträge nach Herkunft, Stand 08.09.2026)
Gründer (1 Person)
1196
Automaten des Projekts
204
alle übrigen 78 Personen
149

Quelle: Eigene Messung, GitHub-Mitwirkendenstatistik.

Einordnung

Über KI-Agenten wird geredet, als wäre die Frage, wie klug sie sind. Wer mehrere gleichzeitig laufen lässt, merkt schnell, dass die Frage eine andere ist: wo sie wohnen. Ein Agent ist ein Programm in einem Terminal. Das Terminal hängt an einer Sitzung, die Sitzung an einem Fenster, das Fenster an einem Rechner, der zugeklappt wird. Wer über eine Verbindung auf eine andere Maschine arbeitet, hat schon erlebt, was das heisst: die Verbindung fällt, und mit ihr fällt der halbfertige Lauf.

herdr ist die Antwort auf genau diese Ebene, und auf keine andere. Ein einzelnes in Rust geschriebenes Programm, 241.811 Zeilen, das die Terminals übernimmt, in denen fremde Agenten laufen — Claude Code, Codex, OpenCode und rund zwanzig weitere. Es ersetzt keinen davon, es beherbergt sie. Am 27. März 2026 begonnen, seit dem 22. Juli 2026 unter Apache-2.0, am 7. September 2026 bei Fassung 0.9.0.

Was es tut, in vier Sätzen

Ein Dienst im Hintergrund besitzt die Terminals; das sichtbare Fenster ist nur ein Betrachter, der sich an- und abhängen lässt. Eine Leiste zeigt für jedes Feld, ob dort gearbeitet wird, ob es wartet oder ob es auf eine Freigabe festhängt. Entfernte Maschinen kommen über gewöhnliches SSH in dieselbe Ansicht, mit eigener Wiederverbindung je Maschine. Und alles, was die Oberfläche kann, kann auch ein Programm: über einen lokalen Socket spricht man dieselben Befehle, mit denen ein Agent sich selbst ein Feld aufmacht, einem zweiten eine Frage stellt und auf dessen Zustand wartet.

Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Multiplexer liegt allein im letzten Punkt und im Zustand. tmux weiss nicht, was in seinen Feldern läuft; es ist ihm gleichgültig. herdr ist ausdrücklich nicht gleichgültig — es kennt die Agenten, es kennt ihre Zustände, und es lässt sie einander bedienen.

Warum uns das etwas angeht

Unsere Arbeit liegt auf rund 180 Flächen und verteilt sich auf vier Maschinen im Haus. Die längsten Läufe sind nicht die klugen, sondern die geduldigen: ein Prüflauf über eine Godot-Fläche, eine Umwandlung von Tonaufnahmen, ein Rollout über dreissig Verzeichnisse. Sie laufen heute in einer Sitzung, die an einer Verbindung hängt. Wir haben für dieses Problem mehrfach Umwege gebaut, jeden für sich, jeden anders. herdr löst es einmal — und zwar an der Stelle, an der es entsteht.

Dazu kommt der Anschluss. Das Projekt liefert seine eigene Anleitung als SKILL.md, im selben offenen Format wie unsere Fähigkeiten, mit einer ausdrücklichen Vorsichtsregel darin: der Agent soll erst prüfen, ob er überhaupt in einem herdr-Feld sitzt, und andernfalls nichts anfassen. Und es richtet sich in Claude Code über dessen eigene Erweiterungs-Haken ein, statt eine eigene Hülle zu bauen. Beides bedeutet: ein Versuch kostet uns einen Abend, kein Vorhaben.

Was die Firma dahinter verkauft

Die Antwort steht offen da, und das ist zu ihren Gunsten zu vermerken: das Programm ist frei, verkauft wird der Erweiterungs-Markt darum herum. Die Firma ist ein Ein-Personen-Betrieb im Gründer-Jahrgang Herbst 2026. Wer aus dieser Ecke kommt, hat einen Kapitalgeber im Rücken, der irgendwann eine Antwort auf die Erlösfrage sehen will — die Lizenz von heute ist ein Versprechen für die Fassung von heute. Für uns heisst das nicht „Finger weg“, sondern: nehmen, was frei ist, nichts darauf bauen, das den Verlust nicht überlebt, und die eigene Fassung aufheben.

Was wir tun sollten

Ein Versuch an einer Maschine, eine Woche, mit einer Sicherungskopie der Einstellungsdatei und ausgeschalteter Selbstaktualisierung. Geprüft wird genau das, was das Programm verspricht: überlebt ein langer Lauf die abgerissene Verbindung, stimmt die Zustandsanzeige bei unserem Hauptagenten über mehrere Tage, und lässt sich alles in einer Stunde wieder abhängen. Was danach bleibt, ist eine Zahl statt einer Erwartung.

Vereins-Bezug

Was das für mana bedeutet

  • Unser Alltag ist längst der Fall, für den das Programm gebaut ist. Die Arbeit verteilt sich auf rund 180 Flächen und auf vier Maschinen im Haus — Arbeitsrechner, kleiner Server, Rechenkarte, Speicher. Was auf den entfernten Maschinen läuft, läuft heute in einer Verbindung, die mit dem Zuklappen des Deckels endet. Genau das ist der erste Punkt der Werbeliste, und ausnahmsweise deckt er sich mit unserem Schaden: ein Hintergrund-Dienst hält die Terminals, der Bildschirm hängt sich nur dran. Wir haben dafür bisher Umwege gebaut, jeden einzeln.
  • Die zweite Hälfte ist die Aufsicht. Wer drei oder vier Agenten gleichzeitig laufen lässt, verliert die meiste Zeit nicht am Denken, sondern am Nachsehen. herdr unterscheidet arbeitet, wartet und hängt fest — und zwar streng: als festhängend gilt nur, was eine erkannte Freigabefrage zeigt, alles Unbekannte fällt auf wartet zurück. Das ist die vorsichtige Bauart, die wir selbst verlangen; eine Wache, die im Zweifel nichts behauptet, ist mehr wert als eine, die im Zweifel grün meldet.
  • Der Anschluss trifft genau unsere Formate. Das Projekt bringt seine Anleitung als `SKILL.md` mit — dasselbe offene Format, in dem unsere eigenen Fähigkeiten liegen. Und es richtet sich in einem fremden Agenten über dessen eigene Erweiterungs-Haken ein, statt ihn nachzubauen: bei Claude Code schreibt es sechs Haken in die Einstellungsdatei, vom Sitzungsstart bis zum Sitzungsende. Wir bedienen beide Schnittstellen seit Monaten. Der Aufwand für einen Versuch ist damit klein, und der Rückweg ist es auch — Haken raus, Datei wieder wie vorher.
  • Die Steckdose ist der eigentlich neue Teil. Über einen lokalen Socket lassen sich Fenster öffnen, Ausgaben lesen, Zustände abwarten und Arbeitskopien eines Verzeichnisses verwalten. Damit wird aus dem Multiplexer ein Werkstück, das ein Agent selbst bedienen kann: ein Lauf kann einen zweiten anstossen und erst weitermachen, wenn der wirklich fertig ist. Für uns ist das die fehlende Verdrahtung zwischen Sachen, die wir schon einzeln haben — Arbeitskopien, Prüfläufe, mehrere Flächen am selben Abend.
  • Und es kostet nichts an Unabhängigkeit, weil es an keinen Anbieter bindet. Es kennt über zwanzig Agenten, darunter beide, die wir selbst einsetzen — den Hauptagenten und das zweite Werkzeug in Reserve. Die Sitzungen liegen als Dateien auf der eigenen Platte, die entfernten Maschinen werden über gewöhnliches SSH erreicht, ein Konto braucht es nicht, und nach draussen gehen in der Grundeinstellung zwei Nachfragen: ob eine neuere Fassung vorliegt und ob die Erkennungsregeln für die Agenten neuer sind. Das ist die Bauart, die wir bei eigenen Diensten erzwingen — hier trifft sie uns einmal von der bequemen Seite.
Ehrlich benannt

Offene Punkte

  • Ein Mensch trägt das Projekt. 77,2 Prozent der Beiträge stammen vom Gründer, die Firma dahinter ist im Herbst 2026 in einen Gründer-Jahrgang aufgenommen worden und besteht laut deren eigener Seite aus einer Person. Das ist keine Kritik an der Arbeit — es ist die Antwort auf die Frage, was passiert, wenn diese Person ein halbes Jahr ausfällt. Alles, was wir darauf legen, muss ohne es weiterlaufen.
  • Die Lizenz hat schon einmal gewechselt. Bis Juli 2026 lag herdr doppelt lizenziert vor, mit einer kommerziellen Spur daneben; am 22. Juli 2026 wurde auf Apache-2.0 umgestellt. Das war die Bewegung in die für uns gute Richtung, aber sie zeigt, dass die Lizenz eine Entscheidung ist und kein Naturgesetz. Verkauft wird ausdrücklich ein Erweiterungs-Markt; wo der Markt ist, entsteht mit der Zeit der Druck, Fähigkeiten dorthin zu verschieben. Die heutige Fassung ist frei und bleibt frei — die übernächste ist eine Wette.
  • Die Zustandserkennung ist bei unserem Hauptwerkzeug halb geraten. Für einige Agenten meldet der Agent selbst, was er tut; für Claude Code liest herdr zusätzlich den unteren Bildschirmrand und prüft ihn gegen Suchmuster, die auf Laufbalken, Spinner-Zeichen und Satzfetzen wie „esc to interrupt" zeigen. Diese Regeln tragen ein Datum und werden bei Bedarf vom Server des Projekts nachgeladen. Im Klartext: eine Änderung an der Oberfläche unseres Agenten kann die Anzeige falsch machen, und die Reparatur kommt als Nachladung von aussen. Wer das einsetzt, misst nach, statt der Farbe zu glauben.
  • Es fasst unsere Einstellungsdatei an. Die Einrichtung schreibt Haken in dieselbe Datei, in der unsere eigenen fünf Reflexe stehen, darunter die git-Wache über dem gemeinsamen Baum. Das ist kein Vorwurf an das Programm, sondern unsere Hausaufgabe: vor dem Versuch eine Kopie, danach ein Vergleich, und die Frage ausdrücklich beantworten, ob beide Ketten nebeneinander laufen. Ein Werkzeug, das die Wache still verändert, wäre für uns teurer als jeder gewonnene Handgriff.
  • Der übliche Einbauweg ist eine Leitung von einer fremden Adresse in eine Kommandozeile. Für uns gilt derselbe Massstab wie bei allem anderen: Paketverwaltung statt Skript aus dem Netz — bei diesem Einbauweg schaltet das Programm seine Selbstaktualisierung von sich aus ab und verweist auf den Paketbefehl. Auf den entfernten Maschinen richtet das Programm seinen Dienst bei Bedarf selbst ein — bequem, aber es heisst, dass auf jeder Maschine ein weiterer Dauerläufer sitzt, der Terminals besitzt. Wer den Dienst erreicht, erreicht alles, was darin läuft.
  • Nichts davon ist bei uns gemessen. Dieser Bericht steht auf dem Quelltext, den Anleitungen des Projekts und einer eigenen Zählung am Verzeichnis — nicht auf einem Versuch an unseren Flächen. Was fehlt: ein Lauf über eine Woche an einer Maschine, mit unseren Agenten, unseren Haken und einer abgerissenen Verbindung als Prüfung. Vorher ist jedes Urteil über den Alltagsnutzen eine Vermutung.

Recherchen sind das Langform-Format. Die kurze, datierte Version solcher Entwicklungen sammelt die Souveränitäts-Chronik; die Grund-Annahmen, auf denen mana steht, stehen unter den Thesen.