Sprechende Köpfe auf eigener GPU — fünf Wege, ein Ton
Wir haben unseren eigenen gerechneten Erzähler, ein Verfahren von 2023 und drei Fassungen eines Diffusionsmodells von 2026 dieselben 19 Sekunden sprechen lassen — dieselbe Stimme, dieselbe Vorlage, dieselbe RTX 3090. Zwischen dem langsamsten und dem schnellsten fotoechten Weg liegt der Faktor zehn. Die Lippen trifft ausgerechnet das älteste Verfahren am besten — und genau das ist in der Abnahme durchgefallen.
Der teuerste Teil eines fotoechten sprechenden Kopfes ist auf unserer Karte nicht das, was die Forschung beschleunigt. Die Arbeit, die vier Diffusionsschritte auf einen verkürzt, spart 2,1 Sekunden je Videostück — der Austausch des Bild-Umsetzers dahinter spart 1,8 weitere, und der kostet nichts ausser einer Spur Schärfe an den Zähnen. Unser eigener gerechneter Kopf wiederum liegt nicht in derselben Grössenordnung, sondern in einer anderen Welt: Er braucht keine Grafikkarte.
Quelle: Eigene Läufe auf der GPU-Box (RTX 3090, 512×512, 25 Bilder/s), Ton und Vorlage identisch.
Quelle: Mediane über 17 warme Stücke je Fassung.
Quelle: Eigene Messung 2026-08-12 mit dem SyncNet-Pruefstand, den LeapTalk selbst mitbringt; echte Sprechvideos liegen ueblicherweise zwischen 6 und 8.
Quelle: Eigene Downloads; unser Kopf inkl. gebackenem Ton und Spuren.
Ein sprechender Kopf lässt sich auf zwei grundverschiedene Weisen bauen. Man kann ein Gesicht rechnen — aus einem parametrischen Modell, Punkt für Punkt, wie ein Bildhauer, der eine Formel hat. Oder man kann ein Foto bewegen — mit einem Diffusionsmodell, das gelernt hat, wie Gesichter beim Sprechen aussehen.
Wir betreiben seit Juli das Erste. Diesen Monat haben wir das Zweite auf dieselbe Karte gestellt und beide denselben Text sprechen lassen: sechs Folien über den Verein, unsere eigene Stimme, wortgenau ausgerichtet. Für den Vergleich zählt nur, dass alles gleich bleibt ausser dem Kopf.

Was gemessen wurde
Alles auf derselben RTX 3090, 512 mal 512 Bildpunkte, 25 Bilder je Sekunde, 19,4 Sekunden Ton. Die Vorlage ist ein Porträt aus unserem eigenen Bildmodell.
| Schritte je Stück | je Stück | ganzer Lauf | |
|---|---|---|---|
| SoulX-FlashHead, wie veröffentlicht | 4 | 4,96 s | 464 s |
| + LeapTalk, schwerer Umsetzer | 1 | 2,88 s | 228 s |
| SadTalker (2023), 768×768 | — | — | 63 s |
| + LeapTalk, schlanker Umsetzer | 1 | 0,94 s | 46 s |
| unser gerechneter Kopf | — | 0,28 ms je Bild | ~0,14 s |
Die letzte Zeile ist keine Grafikkartenzahl. Unser Erzähler rechnet im Browser auf der CPU, 0,28 Millisekunden je Bild; für die 485 Bilder dieses Abschnitts sind das rund 0,14 Sekunden Rechenzeit — abgeleitet aus der gemessenen Bildrate, nicht als Gesamtlauf gestoppt. Er steht in dieser Tabelle nicht als Sieger, sondern als Hinweis darauf, dass die beiden Ansätze nicht dieselbe Frage beantworten.
Der Befund, der uns überrascht hat
Die veröffentlichte Arbeit hinter der schnellsten Fassung verkürzt vier Diffusionsschritte auf einen. Das haben wir nachgemessen, indem wir das Basismodell mit seinem eigenen Code auf denselben Gewichten laufen liessen: 72 Rechenschritte auf 18 Videostücke, also genau vier je Stück, gegen einen bei der destillierten Fassung. Der Schritt selbst kostet beide Male dasselbe — es ist dasselbe Modell.
Nur: Danach kommt der Bild-Umsetzer, und der kostete mehr als der Schritt. 1,95 Sekunden gegen 0,74. Der Teil, um den es in der Arbeit geht, war auf unserer Karte der billigere. Tauscht man den Umsetzer gegen den leichten, fällt er auf 0,10 Sekunden — und der ganze Vorgang wird nochmal dreimal schneller als durch die eigentliche Beschleunigung.
Das ist kein Einwand gegen die Arbeit. Es ist ein Hinweis darauf, dass die Engpässe auf einer Karte der vorletzten Generation woanders liegen als auf der Hardware, für die veröffentlicht wird.
Und was kostet das an Bild?

Wenig. Die Basis zeichnet die Lippen eine Spur satter, die destillierten Fassungen liegen dicht darunter, und der leichte Umsetzer verschmilzt die Einzelzähne etwas. Wer einen Erzähler in der Ecke eines Foliensatzes zeigt, sieht davon nichts. Wer eine Grossaufnahme baut, schon.
Ehrlich dazu: Weil die Fassungen auseinanderlaufen, zeigen dieselben Bildnummern nicht dieselben Laute. Das oben sind vier Stichproben je Reihe — ein Eindruck. Die Zeiten daneben sind gemessen, mit einer Streuung von einem Prozent über 17 Wiederholungen.
Der Anker von 2023 — und die Überraschung darin
Damit ein Fortschritt eine Grösse hat, braucht er einen Nullpunkt. Wir haben deshalb SadTalker dazugestellt, das 2023 erschien und gar kein Diffusionsmodell ist: Es leitet aus dem Ton 3D-Koeffizienten ab und rendert damit ein Gesicht, das anschliessend ins Ausgangsbild zurückgesetzt wird.
Es lief in 63 Sekunden — schneller als beide schweren Diffusionswege und fast so schnell wie die schlanke Fassung von heute. Das war nicht die Erwartung. Wer „drei Jahre älter“ hört, denkt an langsamer; hier ist es umgekehrt, weil das Verfahren strukturell weniger tut.
Bezahlt wird das an anderer Stelle. Der Kopf steht still — teils, weil wir ihn mit der ruhigen Einstellung gefahren haben, teils, weil das Verfahren nur das Gesicht bewegt und den Rest des Bildes unverändert lässt. Die Mundbewegung ist deutlich zurückhaltender als bei den Diffusionsmodellen, und bei genauem Hinsehen erkennt man die eingesetzte Fläche.
🔴 Und ein Befund, der nichts mit Qualität zu tun hat: SadTalker läuft auf einem Stapel von 2026 nicht mehr ohne Eingriffe. Drei Quelltextstellen mussten wir ändern, bis es startete — eine Bibliothek greift auf ein torchvision-Modul zu, das es nicht mehr gibt; zweimal stolpert der Code über numpy-Aliase, die seit 1.24 entfernt sind. Nichts davon ist ein Fehler der Autoren. Es ist der Preis dafür, dass drei Jahre in diesem Feld eine lange Zeit sind — und der Grund, warum wir bei uns Fassungen festschreiben.
Die Lippen, gemessen
Bis hierher war der Bildvergleich ein Augenschein. Jetzt steht eine Zahl daneben — LSE-C und LSE-D nach SyncNet, dem Prüfnetz, das in diesem Feld als Massstab dient. Es wurde auf echten Sprechvideos trainiert und weiss nichts davon, wie ein Verfahren seinen Mund erzeugt; damit ist es nicht zu überlisten. Echte Aufnahmen liegen üblicherweise zwischen 6 und 8.
| LSE-C ↑ | LSE-D ↓ | Versatz | |
|---|---|---|---|
| SadTalker 2023 (in der Abnahme ausgeschieden) | 8,32 | 6,49 | +1 Bild |
| LeapTalk · schwerer Umsetzer | 7,38 | 7,48 | +1 Bild |
| LeapTalk · schlanker Umsetzer | 7,33 | 7,47 | +1 Bild |
| SoulX-FlashHead · Basis | 6,50 | 8,01 | 0 |
| unser gerechneter Kopf | 2,18 | 11,92 | +2 Bilder |
Drei Dinge stehen da, die wir so nicht erwartet haben.
Das Verfahren von 2023 trifft die Lippen am besten. Nicht knapp, sondern deutlich — und das bei der zweitschnellsten Rechenzeit. Was es nicht kann, steht weiter oben: Der Kopf bewegt sich nicht, die Mimik bleibt zurückhaltend, die eingesetzte Fläche ist erkennbar. Aber die eine Sache, um die es bei einem sprechenden Kopf zuerst geht, macht es am saubersten.
Die Destillation kostet keine Lippen — sie bringt welche. LeapTalk liegt mit 7,38 über seiner eigenen Basis mit 6,50, und die beiden Umsetzer-Fassungen sind praktisch gleichauf (7,38 gegen 7,33). Der Weg von vier Schritten auf einen und der Tausch des Umsetzers, zusammen der Faktor zehn in der Rechenzeit, kosten an dieser Stelle also nichts.
Unser gerechneter Kopf liegt weit zurück. 2,18 gegen 6,5 bis 8,3 ist kein knapper Abstand. Das ist die unbequemste Zahl dieses Berichts, und sie gehört hierhin: Wer einen Erzähler braucht, dessen Lippen genau sitzen, bekommt das von einem Diffusionsmodell und nicht von zwölf gerechneten Mundstellungen.
Die Abnahme widerspricht der Messung
Am 2026-08-12 hat Till sich die Verfahren bewegt angesehen. Ergebnis: SadTalker ist ausgeschieden — „liefert die mit Abstand schlechtesten Ergebnisse“.
Das ist bemerkenswert, weil dasselbe Verfahren in unserer eigenen Messung den besten Lippenwert hatte: LSE-C 8,32 gegen 6,50 bis 7,38 für die Diffusionswege. Wer nur diese Zahl gelesen hätte, hätte genau falsch gewählt.
Der Grund liegt nicht in der Messung — sie misst korrekt, was sie misst. Er liegt darin, was sie nicht misst: Kopfhaltung, Mimik, die Übergänge, den erkennbaren Rand der eingesetzten Fläche, kurz alles, was ein Gesicht lebendig oder tot aussehen lässt. Die Lippen können exakt sitzen, während der Rest nicht trägt. Auch der zweite Lauf mit freigegebener Kopfbewegung hat daran nichts geändert.
In derselben Runde fiel die zweite Entscheidung, und die deckt sich mit der Messung: Zwischen LeapTalks schwerem und schlankem Umsetzer war kein Unterschied zu sehen. Genommen wird der schlanke — LSE-C 7,33 gegen 7,38 ist keine Differenz, und er ist dreimal schneller. Damit ist der Faktor drei, der weiter oben noch als offene Frage stand, gratis.
Was wir daraus mitnehmen: LSE-C ist ein Ausschlusskriterium, kein Auswahlkriterium. Ein Verfahren mit schlechten Lippen scheidet aus; ein Verfahren mit guten Lippen ist damit noch nicht gewählt. Diese Reihenfolge — erst messen, was messbar ist, dann ansehen, was nicht messbar ist — ist der eigentliche Ertrag dieses Vergleichs.
Warum wir beides behalten
Der gerechnete Kopf kann etwas, das kein Diffusionsmodell kann: Er läuft offline weiter, wenn unsere Infrastruktur ausfällt, er wiegt so viel wie ein mittleres Foto, und er zeigt niemanden, den es gibt. Der fotoechte Kopf kann etwas, das keine Matrixmultiplikation kann: Nuancen, die in 253 Achsen nicht enthalten sind.
Beide bleiben, beide werden weitergebaut. Was uns dieser Nachmittag gebracht hat, ist nicht eine Entscheidung, sondern ein Preisschild an beiden Wegen — und die Gewissheit, dass der teure Weg auf unserer eigenen Karte läuft, ohne dass wir dafür etwas kaufen müssen.
Was das für mana bedeutet
- Die vielzitierte Beschleunigung sitzt nicht dort, wo man sie vermutet. Die Arbeit, die vier Diffusionsschritte auf einen verkürzt, ist echt und sauber gemessen — sie spart 2,1 Sekunden je Videostück. Aber der Bild-Umsetzer dahinter kostet danach immer noch 1,95 Sekunden, also mehr als der eine verbliebene Rechenschritt. Wer dort tauscht, spart nochmal 1,8 Sekunden. Der grössere Hebel lag also hinter dem, worüber das Paper handelt.
- Und das kostet erstaunlich wenig. Zwischen vier Schritten und einem sehen wir an Lippen und Zähnen kaum einen Unterschied; der leichte Umsetzer verschmilzt die Einzelzähne etwas und macht die Lippenkante weicher. Bei einem Erzähler, der in einem Präsentationsvideo 300 Pixel breit ist, sieht das niemand. In einer Grossaufnahme schon.
- Unser eigener gerechneter Kopf steht nicht am Ende derselben Skala, sondern daneben. Er braucht keine Grafikkarte, keine 6,9 Gigabyte Gewichte und kein Netz — 1,5 Megabyte für den ganzen Vortrag, 0,28 Millisekunden je Bild auf der CPU. Dafür sieht man ihm an, dass er gerechnet ist. Das ist kein Mangel, sondern eine andere Antwort auf eine andere Frage.
- Beide Wege bleiben und werden weitergebaut. Der eine kann etwas, das der andere nicht kann: offline weiterlaufen, wenn unsere Infrastruktur ausfällt, und niemanden zeigen, den es gibt. Der andere trägt Nuancen, die aus 253 Achsen nicht herauskommen. Die Frage ist nicht, welcher gewinnt, sondern welcher zu welchem Stück passt.
- Für alle fotoechten Wege gilt dieselbe Grenze, und sie ist keine technische: Sie brauchen ein Gesicht als Vorlage. Unsere Vorlage stammt aus unserem eigenen Bildmodell — kein realer Mensch, also keine biometrischen Daten, keine Einwilligung, niemand, dem etwas in den Mund gelegt werden kann. Fremde Gesichter kommen nicht infrage, auch nicht zum Ausprobieren.
Offene Punkte
- Die Lippen sind jetzt gemessen — mit dem Massstab, den das Feld verwendet und den LeapTalk in seinem eigenen Pruefordner mitbringt. Der Weg dorthin ging ueber einen Fehlversuch, der lehrreicher war als sein Ergebnis: Wir hatten zuerst die Mundoeffnung je Bild gegen die Lautstaerke gestellt. Das trennte nichts (alle fuenf zwischen 62 und 66 Prozent gegen 56 Prozent blind) — und es war fuer unseren eigenen Kopf sogar zirkulaer, weil der seine Mundoeffnung *aus* eben dieser Huellkurve berechnet. Ein Mass, das eine Formel gegen sich selbst prueft, misst nichts.
- Was das SyncNet-Mass nicht beantwortet: ob unser gerechneter Kopf deshalb so weit zurueckliegt, weil seine Artikulation grober ist — zwoelf Mundstellungen gegen ein Modell, das jedes Bild neu erfindet — oder weil das Pruefnetz auf echten Gesichtern trainiert wurde und mit einem stilisierten wenig anfangen kann. Beides ist plausibel, wir koennen es mit dieser einen Messung nicht trennen. Erkannt wurde das Gesicht in allen fuenf Videos.
- Die Fassungen laufen auseinander. Ein anderer Umsetzer oder eine andere Schrittzahl erzeugt andere Zwischenzustände, also zeigt derselbe Bildindex nicht denselben Laut. Ein Vergleich Bild gegen Bild ist deshalb unmöglich; was hier nebeneinandersteht, sind vier Stichproben je Fassung.
- Gemessen wurde neben laufender Produktion. Die Karte trägt Spracherkennung, Sprachsynthese und Bilderzeugung mit; während des langen Laufs sprang die Zeit je Stück von 2,9 auf 13,5 Sekunden, als ein Sprachmodell-Prozess acht Gigabyte belegte, und fiel danach zurück. Die Zahlen oben sind Mediane ruhiger Abschnitte, die Störung ist ausgewiesen.
- AniPortrait von 2024 fehlt noch — der dritte Weg über Landmarken, der strukturell unserem eigenen am nächsten liegt. Er braucht eine eigene Umgebung und rund 15 Gigabyte Gewichte, darunter ein Basismodell, dessen ursprüngliches Repo zurückgezogen wurde. Solange das nicht gelaufen ist, steht hier keine Zahl.
- Die gemessenen SadTalker-Zahlen gelten für die **stillgestellte** Fassung und ohne den mitgelieferten Nachschärfer. Ersteres unterdrückt Kopfbewegung, Letzteres wäre ein nachgeschalteter Gesichts-Verbesserer und kein Teil des Verfahrens — roh gegen roh ist der ehrlichere Vergleich, macht das Ergebnis aber zurückhaltender, als es mit beiden Schaltern aussähe.
- Nur eine Stimme, nur ein Text. Alles oben beruht auf demselben 19-Sekunden-Abschnitt eines Vereins-Foliensatzes. Eine **zweite Bildvorlage** ist inzwischen gelaufen — ein jüngerer Mann mit Locken und Bart, also die Stellen, an denen diese Verfahren üblicherweise verschmieren. Alle vier fotoechten Wege tragen das; eine Lippen-Zahl steht dazu noch nicht. Für eine belastbare Aussage bräuchte es ausserdem mehrere Sprechende und längere Strecken.
- 🔴 Die Zeiten oben sind **Kaltstart-Zeiten**. Beim zweiten Lauf desselben Modells fällt das Übersetzen weg und die Gewichte liegen schon: LeapTalk mit schwerem Umsetzer braucht dann 89 statt 228 Sekunden, SoulX-FlashHead 143 statt 464. Gemessen am 2026-08-12 an der zweiten Bildvorlage. Wer plant, rechnet mit den warmen Zahlen; wer einmal etwas ausprobiert, mit den kalten.
Quellen Dritter
Was wir hier berichten, berichten andere zuerst und mit eigenem Namen daneben. Datum dort, wo es belegbar ist.
- Unser Steckbrief zu LeapTalk — mit allen Einzelmessungen
- Unser eigener gerechneter Kopf, in zehn Schritten
- LeapTalk — Breaking the Latency-Quality Trade-off (arXiv 2608.00079) 2026-07-29
- SoulX-FlashHead — das Basismodell, Apache-2.0 2026-08-11
- GNM — Googles parametrisches Kopfmodell, die Grundlage unseres Erzählers
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