MiniMax H3 — offene Video-Gewichte, die unsere Karte nicht satt bekommt
Am 31. Juli 2026 hat MiniMax H3 vorgestellt, am 3. August die Gewichte freigegeben: Video mit eigenem Ton, aus einem Modell. Wir haben geprüft, ob das auf unsere RTX 3090 passt — und wo die Grenze in Wahrheit liegt.
Technisch nicht ausgeschlossen, praktisch heute nein. Nicht die Grafikkarte ist die Wand, sondern der Arbeitsspeicher daneben: Der offizielle Consumer-Weg rechnet mit zwei RTX 5090 und 384 GB Host-RAM, unsere Box hat 64 GB, davon 48 für die Linux-Schicht freigegeben. Die Lizenz erlaubt uns die Nutzung — die Schweiz steht nicht auf der Ausschlussliste. Ein Besteller fehlt trotzdem.
Quelle: Comfy-Org-Modellrepo (Dateigrößen), zum Vergleich unsere vorhandenen Modelle.
Quelle: SGLang-Kochbuch (5090-Rezept) · mana HARDWARE_BACKLOG Punkt 2.
Quelle: SGLang-Kochbuch + Community-Berichte. Bewusst NICHT vergleichbar — Auflösung, Länge und Schrittzahl unterscheiden sich je Balken..
Was da veröffentlicht wurde
Am 31. Juli 2026 hat das chinesische Unternehmen MiniMax H3 vorgestellt, drei Tage später lagen die Gewichte auf Hugging Face. Es ist ein dichtes Modell mit rund 33 Milliarden Parametern, das Text, Bild, Video und Ton in einem gemeinsamen Zusammenhang liest und daraus einen Clip von 4 bis 15 Sekunden mit 24 Bildern je Sekunde erzeugt — mit eigenem Stereo-Ton, im selben Durchgang, ohne zweite Stufe für Sprache oder Geräusche. Bis zu 2K, elf Sprachen stabil, bis zu neun Referenzbilder, drei Referenz-Clips und drei Tonspuren als Eingabe.
Das Bemerkenswerte ist nicht die Auflösung, sondern die Zusammenlegung: Bild und Ton kommen aus einem Gewicht. Wer heute einen vertonten Clip baut, betreibt zwei Ketten und klebt sie hinterher zusammen.
Passt es auf unsere Karte?
Die ehrliche Antwort ist: Die Karte ist nicht das Problem — der Arbeitsspeicher daneben ist es.
Die Gewichte für Text- und Bild-zu-Video wiegen zusammen 42,5 GB: 21 GB Diffusions-Modell, 15,7 GB Text-Encoder (ein Qwen3-VL), 5,2 GB Video-VAE, 0,6 GB Audio-VAE. Mit dem Referenz-Modell sind es 63,4 GB. Das passt in keine 24-GB-Karte, und es soll auch nicht — der übliche Weg ist layerweises Auslagern: Nur ein Teil der Blöcke bleibt auf der Karte, der Rest wird aus dem Host-Speicher nachgeschoben, Schicht für Schicht. Genau deshalb verschiebt sich die Last vom VRAM in den Arbeitsspeicher und auf die Platte.
Und dort steht die Wand. MiniMax’ eigenes Rezept für Consumer-Hardware im SGLang-Kochbuch nennt zwei RTX 5090 und 384 GB Host-RAM. Unsere Box hat 64 GB verbaut, davon 48 GB für die Linux-Schicht freigegeben, in der ComfyUI läuft — ein Achtel dessen, was das Rezept nennt. Die Community-Läufe, die auf kleineren Karten funktioniert haben, standen bei 32 GB System-RAM — und selbst dort wird von Fehlschlägen bei genau dieser Größe berichtet.
Dass es im Prinzip geht, ist trotzdem belegt: Eine RTX 3060 mit 12 GB hat 864×480 bei 124 Bildern und 20 Schritten in unter neun Minuten gerechnet, ein 4090-Laptop mit 16 GB 960×540 in 182 Sekunden. Eine 3090 mit 24 GB kann also mehr als beide. Nur: Beide Läufe liegen deutlich unter den nativen 768p und weit unter den beworbenen 2K. Für die 3090 selbst gibt es keine veröffentlichte Zahl, die man ernst nehmen könnte — der Leitfaden sagt das ausdrücklich.
Dürfen wir das überhaupt?
Hier liegt der überraschendste Fund. Die MiniMax H3 Community License gilt „worldwide, excluding the Excluded Territories“, und diese Ausschlussliste ist kurz und namentlich: die Europäische Union, das Vereinigte Königreich, die Republik Korea und die USA. MiniMax begründet das mit der Regulierungslage und mit laufenden Urheberrechtsverfahren.
Die Schweiz steht nicht darauf. Für eine Werkstatt mit Sitz in Tägerwilen ist das ein seltener Fall, in dem der Standort einen Zugang öffnet, der ein paar Kilometer weiter nördlich versperrt ist.
Erlaubt heißt aber nicht offen. Die Lizenz verlangt ein sichtbares „Powered by MiniMax H3“ auf jedem Produkt, verbietet, mit den erzeugten Ausgaben andere Modelle zu trainieren, und macht ab 20 Mio. USD Jahresumsatz eine Freigabe nötig. Gegenüber Apache 2.0 — unter dem Gemma 4 steht — ist das ein Rückschritt. Und die zweite Hälfte der Frage bleibt offen: Unser Publikum sitzt zu großen Teilen in genau der EU, für die die Gewichte gesperrt sind. Ob „Applicable Territory“ den Sitz meint oder den Ort der Wirkung, klärt der Text nicht.
Der Punkt, der schwerer wiegt als die Hardware
Wir betreiben bereits einen Video-Dienst. Er trägt LTX-Video, meldet seit Monaten „gesund“ — und hat in vier Monaten keine einzige Anfrage bekommen. Aufgefallen ist das erst bei einer Prüfung: Das Modell war nie heruntergeladen worden, das Ausgabeverzeichnis war nicht alt, sondern leer. Der Dienst war nicht kaputt, er war unbenutzt.
Bewegtbild erzeugen können wir trotzdem — nur nicht über diesen Dienst. Auf derselben Karte steht seit Juni ein zweiter Weg: ComfyUI mit Wan 2.2, das wir in einer eigenen Gegenüberstellung gegen zwei andere offene Video-Modelle ausgewählt haben, weil es als einziges Bewegung und Bildtreue hielt; ein Clip brauchte damals rund drei Minuten.
Für diesen Bericht haben wir das nachgemessen, und der erste Versuch ging schief: Ein einzelner Auftrag nahm die Linux-Schicht der Workstation mit, die Maschine kam nach neun Minuten von allein zurück. Nach einem Neustart lief derselbe Auftrag beim ersten Anlauf durch — ein Clip von zwei Sekunden bei 512×512 in 132 Sekunden reiner Rechenzeit, das Bild über die ganze Länge stabil.
Beides gehört zusammen: Die Fähigkeit ist da, und die Maschine, auf der sie läuft, ist launisch. Für ein Werkzeug, an dem ein Mensch sitzt und notfalls neu startet, reicht das. Für einen Dienst mit Zusicherung nicht.
Vor diesem Hintergrund ist die Frage „läuft H3 auf unserer Karte?“ die zweitwichtigste. Die wichtigste lautet: Wer würde es bestellen? Ein zweites, größeres, hungrigeres Video-Modell ohne Besteller wäre nicht der nächste Schritt, sondern die zweite Karteileiche neben der ersten — und es müsste nicht eine Lücke füllen, sondern etwas Vorhandenes schlagen.
Abwägung in einem Satz
H3 ist die erste offene Video-Freigabe, die uns die Lizenz überhaupt erlaubt, und die erste, die Bild und Ton zusammenlegt — aber sie trifft bei uns auf eine Box, die trotz guter Ausstattung nur ein Achtel des verlangten Arbeitsspeichers hat, auf genau eine gesunde Platte und auf einen Video-Dienst, der noch nie gefragt wurde. Deshalb bleibt es beim Beobachten: erst der Speicher-Deckel, den wir ohnehin heben wollten, dann ein echter Anlass — und erst dann die Frage nach dem Modell.
Was das für mana bedeutet
- Die Lizenz erlaubt es uns — und das ist keine Selbstverständlichkeit. Die „MiniMax H3 Community License" gilt „worldwide, excluding the Excluded Territories", und ausgeschlossen sind ausdrücklich die EU, das Vereinigte Königreich, die Republik Korea und die USA. Die Schweiz steht nicht auf dieser Liste. Ein Verein mit Sitz in Tägerwilen darf die Gewichte also laden, wo eine deutsche Werkstatt eine Sondererlaubnis beantragen müsste.
- Erlaubt ist aber nicht offen. „Community License" ist keine quelloffene Lizenz: Sie verlangt ein sichtbares „Powered by MiniMax H3" auf jedem Produkt, verbietet, mit den Ausgaben andere Modelle zu trainieren, und ab 20 Mio. USD Jahresumsatz braucht es eine Freigabe. Das ist weiter von unserer Offenheits-Maxime entfernt als Apache 2.0 bei Gemma 4 — und näher an einem Vertrag als an einem Gemeingut.
- Ton und Bild aus einem Guss wäre für uns wirklich neu. Heute laufen bei uns zwei getrennte Ketten: die TTS-Stimmen auf der GPU-Box für den Ton, ein Video-Modell für das Bild. H3 erzeugt Dialog, Geräusch und Raumklang im selben Durchgang wie das Bild — für Kisten-Trailer, App-Vorschauen oder Vertonungen wäre das eine Kette weniger.
- Bewegtbild können wir bereits — nur nicht mit dem Dienst, der so heißt. Auf derselben Karte läuft seit Juni ein zweiter Weg: ComfyUI mit Wan 2.2, in einer eigenen Gegenüberstellung gegen zwei andere offene Video-Modelle ausgewählt. Für diesen Bericht nachgemessen: ein Clip von zwei Sekunden bei 512×512 in 132 Sekunden reiner Rechenzeit, das Bild über die ganze Länge stabil. H3 müsste also keine Lücke füllen, sondern das schlagen — und zwar auf einer Karte, auf die es nicht passt.
- Die Rechnung gegen die Schnittstelle geht nicht auf. Über die API kostet 2K-Video 0,13 USD pro Sekunde, ein 15-Sekunden-Clip also rund 2 USD. Bei unserem tatsächlichen Bedarf — im niedrigen zweistelligen Bereich pro Jahr — amortisiert sich keine Hardware. Der Grund, es selbst zu hosten, wäre Souveränität, nicht Kostenersparnis. Und die Schnittstelle ist ohnehin kein souveräner Weg.
- Der naheliegende Hebel ist schon gezogen — wir hatten ihn nur falsch in den Büchern. Unsere eigene Rückstau-Liste führte den Arbeitsspeicher der Linux-Schicht als „auf 24 GB gedeckelt" und damit als offenen Punkt; nachgemessen sind es 48 GB. Zwischen einem Eintrag ohne Messdatum und dem Zustand der Maschine lag ein halbes Jahr Unterschied. Für H3 ändert das nichts — 48 GB gegen 384 GB bleibt der Faktor acht.
Offene Punkte
- Für die RTX 3090 gibt es keine belastbare Zahl. Der ComfyUI-Leitfaden schreibt ausdrücklich, frühe 3090-Ergebnisse schwankten stark mit Auflösung, Länge, Referenzen und Auslagerungs-Einstellungen — „es gibt noch keine vertretbare Erwartungsgeschwindigkeit". Wer hier eine Sekundenzahl nennt, erfindet sie.
- Die Fremdmessungen laufen nicht bei der beworbenen Qualität. 864×480 auf einer 3060, 960×540 auf einem 4090-Laptop — das ist deutlich unter den nativen 768p und weit unter den 2K, mit denen H3 antritt. Die Schlagzeilen-Qualität ist nicht die, die auf einer Consumer-Karte entstünde.
- Der Plattenplatz ist knapper, als die Zahl aussieht. C: hatte am 2. August 170 GB frei, der Text-/Bild-zu-Video-Satz wiegt 42,5 GB — das ginge. Aber die Modelle lägen in der WSL-Platte, und die wächst nur und schrumpft nie von allein; 43 GB innen sind 43 GB dauerhaft auf C:. D: ist defekt, es gibt genau eine gesunde Platte.
- Eine Zahl in diesem Bericht war zwischenzeitlich falsch, und zwar unsere eigene. Wir hatten den freigegebenen Arbeitsspeicher der Linux-Schicht mit 24 GB angegeben — abgeschrieben aus unserer Rückstau-Liste, nicht gemessen. Er liegt bei 48 GB. Korrigiert am 4. August, samt der zwei Stellen im Text, die darauf aufbauten.
- Uns fehlt der Besteller, nicht das Modell. Unser vorhandener Video-Dienst hat in vier Monaten keine einzige Anfrage bekommen; das Modell war nie heruntergeladen, aufgefallen ist es erst bei einer Prüfung. Ein zweites Video-Modell ohne Nachfrage wäre die zweite Karteileiche, nicht der erste Fortschritt.
- Die Rangplätze stammen aus einer einzigen Drittauswertung. Platz 1 im Video-Schnitt, 2 in Text-zu-Video, 3 in Bild-zu-Video kommen von Artificial Analysis; einen technischen Bericht oder eigene Benchmarks hat MiniMax bis heute nicht veröffentlicht. Wir haben nichts davon selbst nachgemessen.
- Die Lizenz ist am Wortlaut gelesen, nicht juristisch geprüft. Ob „Applicable Territory" den Sitz des Nutzers meint oder den Ort, an dem die Ergebnisse ankommen, steht so nicht im Text — und unser Publikum sitzt zu großen Teilen genau in der EU, für die die offenen Gewichte gesperrt sind.
- Herkunft bleibt Herkunft. MiniMax ist ein chinesisches Unternehmen, das die regionale Sperre selbst mit laufenden Urheberrechtsverfahren begründet. Offene Gewichte lösen die Betriebs-Abhängigkeit, nicht die Frage, woraus das Modell gelernt hat.
Quellen Dritter
Was wir hier berichten, berichten andere zuerst und mit eigenem Namen daneben. Datum dort, wo es belegbar ist.
- MiniMax — MiniMax H3: An Open Model Breaking the Boundaries Between Tasks and Modalities 2026-07-31
- Hugging Face — MiniMaxAI/MiniMax-H3 (Modellkarte, 33 Mrd. Parameter, Varianten FL2VA/Ref2VA) 2026-08-03
- MiniMax H3 Community License Agreement — „worldwide, excluding the Excluded Territories"
- SGLang-Kochbuch — MiniMax-H3: verifizierte Topologien, 5090-Rezept mit 384 GB Host-RAM, 75,1 s verlustfrei
- ComfyUI Wiki — MiniMax H3 Open Weights Land With Native ComfyUI Support 2026-08-03
- Kingy — MiniMax H3 ComfyUI Guide: Setup, VRAM, Workflows (Dateigrößen, gemeldete 3060-/4090-Läufe)
- Forbes — 4 Things To Know About MiniMax H3 (regionale Sperre, laufende Urheberrechtsverfahren) 2026-08-03
- MarkTechPost — MiniMax Releases MiniMax H3: 15-Second 2K Clips With Native Stereo Audio 2026-08-01
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