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Rechner aus dem Bestand

Bestand · CHF 0 statt ~CHF 750–1'050

Drei ausgemusterte Büro-Mini-PCs aus dem eigenen Haus — genau die Bauart, für die ein Kauf über tausend Franken geplant war.

Auf einen Blick

Worum es geht

Bestand
2× HP EliteDesk 800 G2 Mini (2015/16) · 1× EliteDesk 800 G3 Mini (2017)
Stand
alle drei laufen — Debian 13, seit 5. August 2026
Kosten
CHF 0 — der geplante Kauf entfällt vorerst
Löst
Wächter-Rechner, abgetrenntes Agenten-Labor, erster verteilter Knoten
Strom
am Prozessor gemessen: 0,2–3 Watt im Leerlauf, 27–37 Watt unter Last (Steckdosen-Wert liegt höher)
Kann auch
Spracherkennung mit 6,2 % Wortfehlern in dreifacher Echtzeit · Video umwandeln 9,5× über die eingebaute Grafik
Die Anschaffung

Für die Linux-Knoten war ein Kauf geplant: drei gebrauchte Büro-Mini-PCs, rund CHF 750 bis 1’050. Beim Nachsehen im eigenen Haus standen drei solche Rechner bereits da — ausgemusterte Firmengeräte, genau die Bauart, die der Plan beschreibt. Der Kauf entfällt damit vorerst, und das Geld bleibt im Verein.

Es sind zwei HP EliteDesk 800 G2 Mini von 2015/16 und ein EliteDesk 800 G3 Mini von 2017 — jene Ein-Liter-Kisten, die Firmen unter den Schreibtisch stellen und nach ein paar Jahren austauschen. Vier Rechenkerne, erweiterbar auf 32 GB Arbeitsspeicher, Platz für eine schnelle SSD, leise und sparsam. Nach heutigen Maßstäben sind sie nicht schnell. Für das, was sie tun sollen, ist das auch nicht die entscheidende Größe: Viele kleine Dienste brauchen Arbeitsspeicher und eine flinke Festplatte, keine Rechenkraft.

Warum Linux hier nicht nur möglich, sondern nötig ist

Alle drei Geräte kommen mit einer Windows-Lizenz. Die ist weniger wert, als sie klingt. Es handelt sich um Windows 10, und dessen Sicherheitsupdates sind im Oktober 2025 ausgelaufen. Windows 11 wiederum setzt neuere Prozessoren voraus, als diese Rechner haben — als Windows-Maschinen sind sie damit am Ende ihres Lebens angekommen.

Unter Linux sind sie es nicht. Die verbaute Technik ist so verbreitet und so gut dokumentiert, dass sie ohne Sonderbehandlung läuft und noch viele Jahre Sicherheitsupdates bekommt. Das ist Langlebigkeit nicht als Grundsatz, sondern als konkreter Vorgang: Ein Hersteller erklärt funktionierende Geräte für veraltet, und freie Software hält sie im Dienst. Die Windows-Lizenz bleibt dabei übrigens im Gerät gespeichert und ginge nicht verloren — sie wird nur nicht gebraucht.

Was damit möglich wird

Ein Wächter, der den Ausfall überlebt. Die Überwachung des Vereins läuft heute auf derselben Maschine, die sie überwachen soll — der KI-Workstation, die gelegentlich hart abstürzt. Stirbt sie, stirbt die Fähigkeit zu bemerken, dass sie gestorben ist. Ein eigener kleiner Rechner daneben beobachtet von außen und kann, zusammen mit einer schaltbaren Steckdose, den Neustart selbst auslösen. Das ist der Gewinn mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Nutzen — er schließt zwei seit Monaten offene Lücken auf einmal.

Ein abgetrenntes Labor. Für den geplanten Vergleich mehrerer persönlicher KI-Agenten fehlte bisher ein Ort. Auf dem Arbeitsgerät wäre es fahrlässig, auf dem Produktivsystem die falsche Nachbarschaft. Ein eigener Rechner, der nichts anderes tut und nichts Wichtiges kennt, ist genau die Umgebung, in der man fremde Software ausprobiert.

Der Anfang des Verbunds. Drei Rechner sind die Mindestzahl, ab der sich Maschinen untereinander einig werden können, wer noch lebt. Einer davon zieht an den zweiten Standort — damit steht die Grundform, für die bisher eine Bestellung nötig gewesen wäre.

Spracherkennung — hier stand eine falsche Annahme. Ursprünglich notierten wir an dieser Stelle, KI-Modelle auf diesen Geräten zu rechnen sei „ohne Grafikkarte so langsam, dass es keinen Zweck hätte“. Eine Messreihe mit knapp sechzig Läufen hat das widerlegt: Diese Rechner transkribieren deutsche Sprache mit 6,2 % Wortfehlern in gut dreifacher Echtzeit — eine Stunde Aufnahme in 18,6 Minuten, für 9 bis 12 Wattstunden. Ein zweites Verfahren schafft dieselbe Stunde in gut vier Minuten, mit Abstrichen bei der Genauigkeit. Transkription braucht damit weder die KI-Workstation noch einen fremden Dienst.

Überraschend war dabei, welches Gerät gewinnt: Die älteren 35-Watt-Modelle sind nur 5 % langsamer als das jüngere und verbrauchen ein Viertel weniger.

Für frei formulierende Sprachmodelle bleibt der Einwand allerdings richtig, und zwar aus einem messbaren Grund: Diese Modelle lesen bei jedem einzelnen Wort ihre gesamten Gewichte aus dem Arbeitsspeicher, weshalb dessen Geschwindigkeit die Obergrenze setzt — hier gemessene 24 GB pro Sekunde. Als Faustregel entstehen damit rund 24 geteilt durch die Modellgröße in Gigabyte an Wörtern pro Sekunde. Ein mittelgroßes Modell antwortet also im Schritttempo, und mehr Arbeitsspeicher würde daran nichts ändern — er macht größere Modelle möglich, nicht schnellere. Dafür bleibt die KI-Workstation zuständig.

Alle drei laufen

Am 5. August 2026 gingen alle drei in Betrieb: Windows heruntergeworfen, Festplatte sicher gelöscht, Debian 13 darauf. Jede startet in gut zehn Sekunden, holt sich ihre Adresse selbst und meldet keinen einzigen Fehler. Was drinsteckt, steht damit fest statt vermutet: je vier Rechenkerne, 8 GB Arbeitsspeicher, je eine 256-GB-SSD.

Die Festplatten sind der angenehmste Teil des Fundes. Nach acht bis zehn Jahren sind sie zu einem, drei und neun Prozent abgenutzt und melden keinen einzigen Datenfehler — sie halten noch sehr lange. Der Arbeitsspeicher dagegen ist mit 8 GB knapp, und weil überall beide Steckplätze belegt sind, heißt Aufrüsten ersetzen: rund 40 bis 60 Franken je Gerät.

Der interessanteste Unterschied lag da, wo wir ihn nicht vermutet hatten. Die beiden älteren Rechner bleiben gegen eine Sicherheitslücke von 2023 ungeschützt, weil Intel für ihre Baureihe nie eine Korrektur nachgereicht hat. Das dritte Gerät ist nur ein Jahr jünger — und hat sie bekommen. Diese Lücke wird erst gefährlich, wenn fremder Code auf der Maschine läuft. Damit hat sich die Rollenverteilung von selbst entschieden: Der jüngere Rechner wird der Erprobungsplatz für fremde Software, die beiden älteren übernehmen Aufgaben, bei denen nur unser eigener Code läuft. Eine Frage, über die wir sonst lange gerätselt hätten, hat eine Messung in zehn Sekunden beantwortet.

Auf zweien lagen noch Daten des früheren Nutzers — Projektordner und Passwortdatenbanken aus einer Videoproduktion, zuletzt 2023 bearbeitet. Sie wurden vollständig gesichert, bevor überhaupt etwas gelöscht wurde, und die Sicherung anschließend Datei für Datei und Byte für Byte gegen das Original geprüft. Das ist der Umgang, den wir uns auch für unsere eigenen Daten wünschen: nichts löschen, was jemandem gehört, ohne dass es woanders liegt.

Eine Sache war eine positive Überraschung: Die neuen Rechner erreichen die KI-Workstation im selben Netz direkt. Der Mac Mini kann das aus technischen Gründen nicht — seine Dienste laufen in einer Zwischenschicht, die den Weg dorthin verstellt. Damit ist eine Hürde weg, die bisher als offener Punkt notiert war.

Was der Fund nicht ersetzt

Ein Kauf hätte Garantie gebracht und aktuellere Technik. Beides fehlt hier. Jedes Gerät muss erst ausgelesen, die Festplatte gelöscht und auf Sperren und Fernwartungs-Zugänge der Vorbesitzer geprüft werden, bevor es ins Netz darf — das kostet Zeit, die eine Bestellung nicht gekostet hätte. Und wenn nach zehn Jahren eines ausfällt, gibt es niemanden, der es ersetzt.

Das ist ein tragbarer Handel. Der Verein kauft ohnehin lieber gebraucht als neu, und drei Geräte, die sonst im Schrank alt geworden wären, wieder in Dienst zu stellen, passt besser zum Anspruch als eine Bestellung. Fällt eines aus, wird es nachgekauft — refurbished, mit Garantie, so wie es der Plan von Anfang an vorgesehen hat. Bis dahin ist die Ausfallsicherheit, die lange an einer Anschaffung hing, eine Frage von Arbeit statt von Geld.

Grundsätze

Was Rechner aus dem Bestand für den Verein verkörpert

  • Langlebigkeit
    Bewährte Stacks, gute Doku.
  • Unabhängigkeit
    Schweizer Verein, keine Investoren.
  • Eigenbetrieb
    Eigene Infrastruktur, quelloffener Stack.
  • Achtsamkeit
    Keine Engagement-Tricks.
Stand

Was offen ist

  • Die beiden älteren Geräte bleiben gegen die Sicherheitslücke „Downfall" ungeschützt — Intel hat für ihre Baureihe nie eine Korrektur nachgeliefert. Das dritte, ein Jahr jüngere Gerät hat sie bekommen. Deshalb bekommt es die Aufgabe, bei der fremde Software läuft.
  • Nur 8 GB Arbeitsspeicher in allen drei Geräten, und jeweils beide Bänke sind belegt: Aufrüsten heißt hier ersetzen, nicht ergänzen. Rund 40 bis 60 Franken pro Gerät.
  • Keine Garantie, rund zehn Jahre alt. Fällt eines aus, wird ersetzt — dann wieder refurbished mit Garantie, wie im ursprünglichen Plan.
  • Der Arbeitsspeicher lässt sich je Gerät auf höchstens 32 GB erweitern. Für die spätere Ausfallsicherheit der Datenbank kann das zu knapp sein.
  • Welche der beiden älteren Maschinen den Wächter-Dienst übernimmt und welche an den zweiten Standort zieht, ist noch offen. Die Messung spricht dafür, ihnen die Dauerläufer-Rollen zu geben: Sie sind nur 5 % langsamer als das jüngere Gerät, verbrauchen ein Viertel weniger und fallen im Leerlauf auf 0,2 Watt.

Rechner aus dem Bestand ist ein geplanter Ausbau der Vereins-Infrastruktur — vorgesehen, aber noch nicht beschafft.