AlphaEarth — Googles Erd-Embeddings, frei lizenziert und offline nutzbar
Google DeepMind hat die gesamte Landoberfläche der Erde in Zahlenreihen übersetzt — zehn Meter pro Bildpunkt, ein Wert-Bündel pro Jahr, veröffentlicht unter einer freien Lizenz. Für uns interessant ist weniger das Modell als die Daten: Sie lassen sich einmal herunterladen und danach vollständig auf eigener Hardware auswerten.
Die Satellite Embeddings von AlphaEarth Foundations stehen unter CC BY 4.0 als Rohdaten zum Download — damit wird Flächen-Veränderung über Jahre messbar, ohne dass ein fremder Dienst zur Laufzeit beteiligt ist.
- Autor
- Google DeepMind
- Venue
- Google DeepMind / Earth Engine Data Catalog (2025)
- Lizenz
- CC BY 4.0 (Embedding-Daten, Namensnennung Pflicht) — das Modell selbst bleibt geschlossen
Ende Juli 2025 hat Google DeepMind ein Modell vorgestellt, das die gesamte Landoberfläche der Erde und ihre flachen Küstengewässer in eine einzige, einheitliche Darstellung überführt — intern beschrieben als eine Art virtueller Satellit. Das Modell selbst ist geschlossen. Interessant für uns ist, was daraus veröffentlicht wurde: die Ergebnisdaten, unter einer freien Lizenz.
Diese Daten sind keine Bilder. Für jeden Bildpunkt von zehn mal zehn Metern und für jedes Jahr steht dort ein Bündel von 64 Zahlen. Darin ist verdichtet, was Satelliten das Jahr über gesehen haben — optische Aufnahmen, Radar, Klimadaten, Geländemessungen, auch durch Wolkenlücken hindurch zusammengeführt. Man kann sich das als einen Fingerabdruck vorstellen: nicht ein Foto einer Wiese, sondern eine Zahlenreihe, die beschreibt, wie sich diese Wiese über ein Jahr verhalten hat. Zwei Fingerabdrücke aus zwei Jahren lassen sich vergleichen, und der Abstand zwischen ihnen ist ein Maß für Veränderung. Vorhanden sind die Jahre 2017 bis 2025.
Der Punkt, an dem das für einen Verein wie unseren zur Option wird, ist die Lizenz: Die Daten stehen unter CC BY 4.0, mit Namensnennung frei verwendbar. Und sie liegen nicht nur hinter einer Programmierschnittstelle, sondern als Dateien zum Herunterladen — seit Juli 2026 sogar ohne Übertragungskosten, weil Google diese selbst trägt. Weil die Dateien so aufgebaut sind, dass man gezielt Ausschnitte anfordern kann, holt man für eine Region am Bodensee wenige Megabyte statt der mehreren Gigabyte einer ganzen Weltkachel.
Damit ist es kein Dienst, sondern ein Datensatz — und das ist der ganze Unterschied. Ein Dienst hieße: Bei jeder Auswertung fließt eine Anfrage zu einem fremden Anbieter, mit allem, was daran hängt. Ein Datensatz heißt: einmal holen, danach rechnet unsere eigene Hardware. Genau diese Linie ziehen wir auch bei Karten, wo wir Kartenkacheln selbst hosten, statt sie im Betrieb von einem Anbieter zu beziehen. AlphaEarth-Rohdaten liegen auf derselben Seite dieser Linie.
Wofür wir das brauchen könnten, steht seit Langem als Lücke in unserer eigenen Vorlage. Unser Transparenzbericht hat einen Methoden-Anhang, in dem für jede Zahl das Verfahren offengelegt wird. Beim Rechenaufwand unserer KI-Dienste steht dort etwas Konkretes — Verbrauchswerte aus den eigenen Messungen, Strom aus dem Zähler. Bei den Naturprojekten steht dort bis heute nichts. Eine Fläche, ihre Jahreswerte, die Veränderung dazwischen: Das wäre eine ehrliche, nachrechenbare Antwort statt Fotos und Prosa.
Ehrlich eingeordnet ist der Blocker aber nicht die Technik, sondern die Voraussetzung. Wir haben derzeit keine Flächengrenzen hinterlegt, und ohne eine konkrete geförderte Fläche gibt es nichts zu messen. Dazu kommen die Grenzen der Daten selbst: Sie zeigen nichts, was kleiner als zehn Meter ist, sie sagen nichts über Arten, und sie erklären keine Ursachen — ein Unterschied zwischen zwei Jahren belegt, dass sich etwas verändert hat, nicht warum. Wer daraus Wirkung ableitet, schuldet zusätzliche Belege und eine offengelegte Methode. Eine Zahl ohne Rechenweg wäre Scheingenauigkeit, und die wäre schlechter als die heutige ehrliche Leerstelle.
Bleibt der Rest der Google-Erdplattform, der zeitgleich angekündigt wurde: Auswertung per Sprachmodell, Unternehmenszugänge über die Cloud, ein angekündigtes Programm für gemeinnützige Organisationen. Das ist für uns nicht interessant, weil es genau die Abhängigkeit zurückbringt, die wir vermeiden. Wir nehmen die freien Daten und lassen die Infrastruktur stehen — das ist die ganze Haltung in einem Satz.
Was das für uns bedeutet
- Es ist ein Datensatz, kein Dienst. Einmal herunterladen, danach rechnet alles auf unserer eigenen Hardware — kein Konto, kein Vertrag, keine laufende Abhängigkeit, und vor allem: kein fremder Anbieter, der jemals die Anfrage eines Menschen zu sehen bekommt. Das ist dieselbe Trennlinie, die unser Karten-Stack schon zieht, wenn er Kacheln selbst hostet statt sie einzukaufen.
- In unserer Transparenzbericht-Vorlage steht seit jeher eine leere Zeile: „Naturprojekt-Wirkung gemessen anhand …“. Für den Strom- und Rechenaufwand unserer KI-Dienste haben wir längst eine Methode hinterlegt, für geförderte Flächen bisher nichts. Diese Daten wären eine ehrliche Antwort darauf — eine Fläche, ihre Jahreswerte, die Veränderung dazwischen, nachrechenbar von jedem, der will.
- Freie Lizenz heißt auch: Wir dürfen die Auswertung offenlegen, nicht nur das Ergebnis behaupten. Wer unseren Zahlen misstraut, kann dieselben Daten laden und dasselbe nachrechnen. Genau so soll ein Transparenzbericht funktionieren.
- Der Rest der Google-Erdplattform ist für uns dagegen unbrauchbar — die komfortablen Auswertungswerkzeuge hängen alle an deren Cloud und deren Sprachmodell. Wir nehmen die Daten und lassen die Infrastruktur stehen.
Wie wir es nutzen könnten
- 1Methode in der Berichtsvorlage vormerkengebautIn der Transparenzbericht-Vorlage steht der Messweg jetzt als Notiz — damit die leere Zeile beim nächsten Bericht nicht wieder unbeantwortet bleibt, sondern jemand weiß, wo er ansetzen kann.
- 2Ein Wegwerf-Skript an genau einer FlächeoffenSobald ein Naturprojekt mit einer echten Flächengrenze existiert: Ausschnitt laden, Jahreswerte 2017–2025 herausziehen, Abstand zwischen den Jahren als Veränderungsmaß rechnen. Ein Skript, eine Fläche, ein Ergebnis — bevor irgendjemand über einen Dienst nachdenkt.
- 3Methodik offenlegen statt Zahl behauptenoffenWenn die Zahl in einen Bericht wandert, gehört der Rechenweg in den Methoden-Anhang — inklusive der Unschärfen. Eine Veränderungszahl ohne offengelegtes Verfahren wäre Scheingenauigkeit und damit schlechter als die heutige ehrliche Leerstelle.
- 4Erst bei mehreren Flächen über Werkzeug nachdenkenoffenEin wiederkehrender Ablauf lohnt sich frühestens, wenn mehrere Flächen über mehrere Berichte hinweg beobachtet werden. Bis dahin bleibt es ein Skript.
Offene Punkte
- Der eigentliche Blocker ist nicht die Technik: Wir haben derzeit keine hinterlegten Flächengrenzen und je nach Quartal auch kein laufendes Naturprojekt. Ohne Fläche kein Messwert.
- Ungeprüft ist, ob der Datenspeicher wirklich ganz ohne Google-Konto lesbar ist. Dass Google seit Juli 2026 die Übertragungskosten trägt, klärt nur die Rechnung, nicht den Zugang. Ein kurzer Test steht aus — wir behaupten es deshalb nicht.
- Die Zahlen sind eine Blackbox. Ein Unterschied zwischen zwei Jahren belegt Veränderung, nicht deren Ursache. Wer daraus Wirkung liest, muss zusätzliche Belege haben.
- Unterhalb von zehn Metern ist nichts zu sehen — kein einzelner Baum, keine Hecke, kein Trockenmauer-Abschnitt. Für kleinteilige Pflegemaßnahmen ist die Auflösung zu grob.
- Es ist kein Höhenmodell und keine Artbestimmung. Für Gelände-Erzeugung bleiben die üblichen Höhendaten zuständig, für Pflanzenbestimmung unsere eigenen Wege.
- Eine sinnvolle Auswertung braucht eigene Vergleichspunkte — Werte allein sagen nichts, sie brauchen ein „womit verglichen“.
Quellen
Paper, Code, Modell und Erklärung — mit eigenem Namen daneben. Datum dort, wo es belegbar ist.
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