MAC — vom Satz zum druckbaren Teil, geprüft am Werkstück statt am Code
Ein Satz Beschreibung hinein, eine druckfertige STEP-Datei heraus. Bemerkenswert ist nicht das Ergebnis, sondern der Weg: vier Stufen, die einander nur knappe JSON-Zustände reichen, ein Übersetzer, der die übliche Arbeit ganz ohne Sprachmodell erledigt, und eine Prüfung, die das erzeugte Teil vermisst statt den Quelltext zu lesen. MIT-Lizenz, keine Grafikkarte nötig.
MAC erzeugt aus einer natürlichsprachlichen Beschreibung parametrischen CAD-Code, führt ihn aus und vermisst das entstandene Werkstück mit zwei unabhängigen Prüfmotoren — die eingebaute Prüfung deckt allerdings nur drei Eigenschaften ab, die vielzitierten 99,3 Prozent wurden von den Autoren selbst von Hand vergeben.
- Autor
- Guanxing Qu, Xueyan Zou (Tsinghua University, IEI Lab)
- Venue
- GitHub — kein Paper, keine Begutachtung (2026)
- Lizenz
- MIT für den Code — die LICENSE-Datei im Repo geprüft, nicht das Etikett auf GitHub. Der mitgelieferte STEP/GLB-Unterbau in packages/cadpy stammt aus earthtojake/text-to-cad und behält dessen MIT-Vermerk. Es gibt keine eigenen Modellgewichte; MAC ist Ablaufsteuerung, das Denken kommt von einem Sprachmodell nach Wahl.
Ein Satz wie „ein Flansch, 80 Millimeter außen, 10 dick, mittige Bohrung 30“ geht hinein. Heraus kommt eine STEP-Datei, ein STL zum Drucken und der parametrische Python-Quelltext, aus dem beides entstand. Solche Systeme gibt es seit zwei Jahren. Interessant an MAC ist, wie es dabei arbeitet — und was es prüft, bevor es fertig sagt.
Vier Stufen, die einander nichts erzählen
Die übliche Bauweise ist ein Sprachmodell in einer Schleife: Code schreiben, ausführen, Fehler lesen, reparieren. Bei jedem Durchgang wandert der ganze bisherige Verlauf wieder in die Anfrage — Handbuch, Gespräch, Fehlerspuren. Die Kosten wachsen nicht linear mit der Arbeit, sondern mit dem Gedächtnis.
MAC zerlegt die Aufgabe in vier Stufen und lässt sie einander nur knappe, strukturierte Zustände reichen. Die erste macht aus der Anfrage eine Spezifikation. Die zweite entwirft daraus einen Bauplan aus Skizzen und Arbeitsschritten. Die dritte macht Code daraus. Die vierte führt aus, misst und repariert. Keine Stufe sieht das Gespräch der vorherigen, nur deren Ergebnis. Ein Irrtum in Stufe zwei wandert damit zwar weiter — aber als Bauplan, den man lesen kann, nicht als Erzählung, die sich selbst bestätigt.
Der zweite Kunstgriff geht weiter, und er ist der eigentlich radikale: Die dritte Stufe ruft gar kein Sprachmodell mehr auf. Ein deterministischer Übersetzer liest den Bauplan und schreibt daraus build123d-Code — Extrusion, Rotation, Bohrung, Vereinigung, Abzug, lineares und kreisförmiges Muster, Spiegelung, Verrundung, Fase, Aushöhlung. Nur was er nicht kennt, hinterlässt eine markierte Lücke, die ein Modell später füllt. Die Stufe, die bei anderen Systemen am meisten kostet, kostet hier nichts.
Was wir im Quelltext nachgesehen haben
Drei Dinge wollten wir wissen, die in keiner Projektbeschreibung stehen.
Erstens: Was misst die Prüfung wirklich? Die Antwort ist ernüchternder als der Ruf. Die erste Stufe darf Prüfziele nur aus drei Kategorien bilden: Gesamtabmessung, Einteiligkeit, Dichtheit. Ob eine Bohrung an der richtigen Stelle sitzt, ob die Verrundung nur die Außenkanten trifft, ob das Teil symmetrisch ist — all das steht im Bauplan als Anweisung und wird nie nachgemessen. Die 99,3 Prozent über 141 Merkmale, die auf der Projektseite prangen, sind deshalb kein Maschinenurteil, sondern eine Handbewertung der Autoren. Die Maschine prüft drei Dinge, gründlich.
Zweitens: Wie kommt die Diagnose zustande? Hier wird es lehrreich. Der erzeugte Code ist selbst instrumentiert. Jeder Abzug läuft durch eine Hilfsfunktion, die das Volumen davor und danach vergleicht — bleibt es gleich, hat das Werkzeug danebengegriffen, und der Befund landet als Zeile in einer Datei neben dem Modell. Verrundungen versuchen es mit absteigenden Radien und melden, wenn keine Kante passte. Am Ende liegt eine maschinenlesbare Liste dessen vor, was schiefging, erzeugt vom Werkstück selbst. Kein Modell beurteilt hier seine eigene Arbeit.
Drittens: Wie wird ausgeführt? Als eigener Prozess mit Zeitlimit, im Arbeitsverzeichnis, mit den Rechten dessen, der es startet. Keine Einhegung. Das Projekt sagt das selbst, für die Weboberfläche sogar deutlich — sie lauscht gleichwohl auf allen Schnittstellen. Für einen Arbeitsplatz ist das in Ordnung; für alles Dauerhafte ist es die erste Änderung.
Was die Zahlen wirklich sagen
Die Werbezahl lautet 116-mal weniger Token. Sie stimmt und sie täuscht. Von den 103,9 Millionen Token der Vergleichsgröße sind 96,2 Millionen zwischengespeicherte Eingaben — die kosten ein Zehntel. Die Verhältnisse, die dieselbe Tabelle nennt, sind bescheidener und immer noch beachtlich: 13-mal weniger Kosten, 11-mal weniger frische Eingabe, knapp 5-mal weniger Ausgabe. In Zahlen: 9,67 Yuan für zehn Modelle statt 125,69 — bei rund elf Rappen je Yuan also gut ein Franken statt vierzehn. Dass die Autoren die Aufschlüsselung selbst veröffentlichen, spricht für sie; dass auf dem Abzeichen die größte Zahl steht, ist trotzdem der Grund, warum wir sie hier auseinandernehmen.
Und es sind zehn Aufgaben, je ein Lauf. Keine Wiederholung, keine Streuung.
Wo wir stehen
Dieser Steckbrief ist eine Einordnung, kein Ergebnis. Wir haben das Repo flach geklont und die Teile gelesen, die unsere Frage berühren. Ausgeführt haben wir nichts, gedruckt schon gar nichts.
Was den Fund für uns trägt, ist nicht der Text-zu-CAD-Teil, so nützlich der für die Werkstatt sein mag. Es ist die Antwort auf unsere dreizehnte Frage, an einem zweiten Werkstoff: Prüfe das Erzeugnis, nicht seine Quelle — und lass das Erzeugnis dabei selbst protokollieren, was misslang. Wir haben dieses Muster für PDFs. Hier steht es für Geometrie, mit zwei unabhängigen Motoren und einer Diagnose, die als Datei entsteht statt als Einschätzung.
Der zweite Teil unserer Frage bleibt offen, und ausgerechnet MAC führt vor, warum sie gestellt gehört. Der einzige dokumentierte Fehlschlag des Systems endet damit, dass die Reparaturschleife nach fünf Versuchen aufgibt und das Teil trotzdem herausgibt — mit einem Vermerk in einer Datei. Ein Modell mit einer fehlenden Verrundung sieht aus wie ein fertiges Modell. Genau an dieser Stelle müsste eine Kette bei uns laut werden.
Was das für uns bedeutet
- Es beantwortet unsere dreizehnte Frage an einem zweiten Werkstoff. Wir haben das Muster bisher für Druckerzeugnisse: Die Abnahme im Druck-Werkzeug prüft das fertige PDF, nicht die Vorlage, aus der es entstand. MAC macht dasselbe mit Geometrie — es liest den erzeugten Code nicht, es führt ihn aus, exportiert STEP und STL und vermisst danach das Ergebnis. Zwei unabhängige Prüfmotoren, einer über den Volumenkörper, einer über das Dreiecksnetz, und ihre Berichte werden zusammengeführt. Ein Muster, das an zwei so verschiedenen Werkstoffen trägt, ist keine Marotte des einen Projekts.
- Der stärkere Teil ist noch spezifischer. Der erzeugte Code prüft sich selbst. Jeder Materialabtrag läuft durch eine kleine Hilfsfunktion, die das Volumen vorher und nachher vergleicht; ändert sich nichts, war das Werkzeug an der falschen Stelle, und genau dieser Satz landet in einer Datei neben dem Modell. Fehlgeschlagene Verrundungen ebenso. Die Diagnose ist damit maschinenlesbar und entsteht im Werkstück selbst — nicht als Urteil eines Modells über die eigene Arbeit. Das ist übertragbar auf alles, was wir erzeugen und danach nur ansehen.
- Der Drucker steht schon da. Der Prusa MK3S+ arbeitet bei uns als Stiftplotter, aber er ist ein Drucker. Zwischen „für den Umbau fehlt eine Halterung" und einem gedruckten Teil liegt heute CAD-Können, das niemand von uns hat. Genau diese Lücke schließt das Verfahren, und die naheliegenden Teile sind unspektakulär und echt: Stiftaufnahmen, Anschläge, Kabelführungen, Vorrichtungen fürs Fotografieren.
- Die Maschinenfrage ist die angenehme Überraschung. MAC braucht keine Grafikkarte. Python 3.11, der Geometriekern OCCT über build123d, ein paar Bibliotheken — das sollte auf dem Mac Mini oder einem der Bestandsrechner laufen; nachgestellt haben wir es nicht. Was Rechenzeit verlangt, ist die Geometrie, und das ist gewöhnliche Prozessorarbeit. Die einzige Zutat, die von außen kommt, ist das Sprachmodell für die ersten beiden Stufen — und die Bauweise ist genau so angelegt, dass man diese Stufen austauscht.
- Und der ehrliche Gegenpol, der über allem steht: Wir haben nichts davon ausgeführt. Kein STEP, kein gedrucktes Teil, keine eigene Messung. Dieser Steckbrief beruht auf dem gelesenen Quelltext und den Zahlen, die die Autoren selbst veröffentlichen. Und 3D-Druck ist bei uns kein Produkt, sondern Werkstatt — das hier ist ein Werkzeug für den Hausgebrauch, kein Plattform-Baustein.
Wie wir es nutzen könnten
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1
Ein einziges echtes Teil, mit dem Messschieber gegengeprüft offenNicht die zehn fremden Aufgaben nachfahren, sondern ein Teil aus dem Plotter-Umbau beschreiben, drucken und nachmessen. Die Frage ist nicht, ob etwas herauskommt, sondern ob die drei Zahlen, die die eingebaute Prüfung meldet, mit dem übereinstimmen, was der Messschieber sagt. Das kostet einen Abend und ist die einzige Aussage, die wir selbst belegen könnten.
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2
Die Kette ohne fremde Schnittstelle laufen lassen offenDie Stufen reichen einander nur JSON. Die dritte und vierte Stufe — Übersetzer, Ausführung, Vermessung, Diagnose — brauchen deshalb überhaupt kein Sprachmodell. Der Versuch dazu ist klein: einen ArchitectPlan von Hand hinlegen und prüfen, ob der Rest ohne Zugangsschlüssel durchläuft. Fällt er positiv aus, ist der teure Teil des Systems bei uns ersetzbar durch die Sitzung, in der ohnehin gearbeitet wird.
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3
Der Weg ohne fremde Schnittstelle steht — an einem eigenen Teil gebautStatt MACs Übersetzer zu bemühen, ist die Kette direkt gebaut: entwerfen in build123d, ausführen, STEP und STL exportieren, danach das Werkstück vermessen — sechs Prüfungen, darunter eine Schwenkprobe über acht Winkel und ein Eingriffsmass. Kein Sprachmodell im Lauf, kein Zugangsschlüssel, keine Grafikkarte. Der Prüfstand fand beim ersten Lauf drei Fehler, die im Quelltext plausibel aussahen und die ein Rendering zu zweien nicht gezeigt hätte. Erstes Teil: ein Visitenkarten-Etui mit print-in-place-Scharnier. Gedruckt ist es nicht — alle Masse sind gerechnet.
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4
Erzeugten Code nicht ungeschützt ausführen offenDas System führt vom Sprachmodell geschriebenes Python aus — als eigener Prozess mit Zeitlimit, sonst ohne Einhegung, mit den Rechten der aufrufenden Person. Die Weboberfläche lauscht dabei auf allen Schnittstellen und sagt selbst, dass sie nur ins vertrauenswürdige Netz gehört. Solange das auf einem Arbeitsplatz läuft, ist das vertretbar. Bevor es irgendwo dauerhaft steht, gehört ein eigener Benutzer oder ein Container darum.
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5
Das Prüfmuster auf unsere eigenen Erzeugnisse ziehen offenDer eigentliche Gewinn liegt nicht im CAD. Zwei unabhängige Motoren, die dasselbe Werkstück verschieden vermessen, plus eine Selbstinstrumentierung, die im Erzeugnis mitläuft — das gehört zu unserer Druck-Abnahme und zu den erzeugten Bögen des Plotters. Der Vergleich der beiden Berichte ist der Teil, der bei uns heute fehlt.
Offene Punkte
- Was wir gelesen haben und was nicht. Gelesen — die Lizenzdatei, beide Projektbeschreibungen, den Qualitätsbericht mit den Rohzahlen, die Konfiguration, den Modell-Aufruf, den deterministischen Übersetzer samt seiner Selbstinstrumentierung, die Ausführung des erzeugten Skripts, die Zustandsschemata und den Prompt der ersten Stufe. Nicht gelesen — die achttausend Zeilen der Knotendatei im Ganzen, die beiden Prüfmotoren im Detail, den Reparaturzweig über Aider und die Weboberfläche. Nichts installiert, nichts ausgeführt.
- Die berühmte Zahl trägt weniger, als sie verspricht. „116-mal weniger Token" stimmt rechnerisch, aber 96,2 der 103,9 Millionen Token der Vergleichsgröße sind zwischengespeicherte Eingaben, die rund ein Zehntel kosten. Die ehrlicheren Verhältnisse stehen in derselben Tabelle: 13-mal weniger Kosten, 11-mal weniger frische Eingabe-Token, knapp 5-mal weniger Ausgabe-Token. Die Autoren legen das offen — auf dem Abzeichen im Kopf der Seite steht trotzdem die größte Zahl.
- Die eingebaute Prüfung ist schmaler als der Ruf des Projekts. Die erste Stufe darf Prüfziele ausschließlich aus drei Kategorien bilden: Gesamtabmessung, Einteiligkeit, Dichtheit. Alles Weitere — Symmetrie, Lage eines Merkmals, Umfang einer Verrundung — wandert als Satz Text an die nächsten Stufen und wird nie gemessen. Die 99,3 Prozent über 141 Merkmale sind also nicht das Urteil der Maschine, sondern eine Bewertung von Hand. Wer sie bewertet hat und nach welchem Verfahren, steht nirgends.
- Keine Streuung. Zehn Aufgaben, je ein Lauf, ein Modell. Drei der vier Stufen laufen bei Temperatur null, die Reparaturstufe bei 0,3 — reproduzierbar ist das trotzdem nicht, und ein einzelner Lauf je Aufgabe ist eine Richtung, keine Zahl. Die Angabe „rund zehnmal schneller" nennen die Autoren selbst ausdrücklich eine Größenordnung, nicht eine Messung.
- Der einzige dokumentierte Fehlschlag zeigt genau den zweiten Teil unserer Frage. Bei einem Laufrad ließ sich eine Verrundung nach fünf Reparaturversuchen nicht anbringen; die Kette gab das Teil danach heraus, mit dem Vermerk, die Höchstzahl an Versuchen sei erreicht. Das Ergebnis liegt vor, das Merkmal fehlt. Ob eine solche Kette lauter wird oder nur ein Feld in einer Datei füllt, ist die Stelle, an der wir es anders machen müssten.
- Zwei kleine Widersprüche zwischen Beschreibung und Code, beide nachgeprüft. Die Übersicht der Anbieter sagt für ein lokales Ollama „kein Schlüssel nötig" — der Code bricht ohne gesetzten Schlüssel mit einer Ausnahme ab, ein Platzhalter genügt zwar, aber man muss ihn setzen. Und der Zwischenspeicher der ersten beiden Stufen prüft nur, ob die Dateien existieren, nicht ob sie zur aktuellen Anfrage gehören: neue Beschreibung, altes Modell. Letzteres steht immerhin in der Anleitung.
- Voreinstellung und Reife. Ab Werk zeigt die Konfiguration auf einen Modelldienst in Peking; das ist eine Zeile, aber es ist die Voreinstellung. Das Projekt ist jung, hat zwei Autoren, kein Paper und keine Begutachtung. Ohne installiertes git-lfs liefert ein Klon still nur zehn Dateien und sieht aus wie ein leeres Repo — das lag an unserer Maschine, kostet aber jeden dieselbe Viertelstunde.
Quellen
Paper, Code, Modell und Erklärung — mit eigenem Namen daneben. Datum dort, wo es belegbar ist.
- Pan-Chera/Multi-Agent-CAD — Quellcode und Anleitung (MIT) 2026-08-09
- MAC Quantified Quality Report — die Rohzahlen zum Vergleich 2026-08-09
- earthtojake/text-to-cad — die Vergleichsgröße, und Herkunft des mitgelieferten STEP-Unterbaus 2026-08-09
- build123d — der Geometriekern darunter (Apache-2.0, auf OCCT) 2026-08-09
- 3Druck.com — der Bericht, über den wir darauf gestoßen sind 2026-08-09
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