Pageta ist quelloffen. Niemand kann es wieder schliessen.
Pageta ist das erste quelloffene Produkt von mana: AGPL-3.0, ganze Git-Geschichte. Warum gerade die Lese-App und was „für immer“ heisst.
Seit heute liegt der Code von Pageta offen: unter der Lizenz AGPL-3.0-or-later, mit der ganzen Git-Geschichte, so wie er tatsächlich läuft. Pageta ist damit das erste quelloffene Produkt von mana. Der Code steht unter git.mana.how/offen/pageta.
Das ist mehr als ein technisches Detail. Es geht um eine Fähigkeit, die im letzten Jahr viele Menschen verloren haben.
Eine Fähigkeit, die an einem Dienst hing
Lesestoff aus dem Netz sammeln und später in Ruhe lesen: Das klingt nach wenig. Ein Link hier, ein langer Text dort, am Wochenende die Liste abarbeiten. Über Jahre war die Standardantwort darauf Pocket.
Am 8. Juli 2025 hat Mozilla Pocket abgeschaltet. Den Export gab es noch bis zum 12. November 2025, danach wurden die Kontodaten gelöscht. Wer die Frist verpasst hat, hat seine Liste verloren — die gesammelten Texte, die Markierungen, die eigene Ordnung.
Schon vorher hatte sich das Werkzeug verändert. Mit „Discover“ und „Empfohlen für dich“ war aus der Leseliste eine Fläche geworden, die auf Engagement getrimmt war. Das ruhige Lesen war nicht mehr ihr Zweck.
Beides hat dieselbe Ursache: Die Software gehörte einem Unternehmen. Das Unternehmen entschied, was aus ihr wird, und irgendwann, dass es sie nicht mehr gibt. Die Nutzer:innen konnten nichts davon aufhalten. Und als der Dienst weg war, war auch die Software weg. Niemand konnte sie weiterbetreiben, weil niemand sonst sie hatte.
Besitz, der nicht an einer Firma hängt
mana ist ein Schweizer Verein in Gründung. Pageta hat keine Investoren, und es gibt keine Anteile, die jemand verkaufen könnte. Das hilft, aber es reicht nicht. Auch ein Verein kann falsch entscheiden, scheitern oder sich auflösen.
Was trägt, ist die Lizenz. In unserer Mission steht dazu ein Satz:
Eine Organisation kann übernommen werden, eine Copyleft-Lizenz nicht.
Deshalb betreiben wir Pageta nicht nur, sondern geben den Code frei.
Was AGPL „für immer“ konkret heisst
Die AGPL-3.0 ist eine Copyleft-Lizenz. Drei Dinge folgen daraus:
- Die Rechte sind unwiderruflich erteilt. Wer den Code hat, darf ihn lesen, verändern, weitergeben und selbst betreiben. Nachträglich schliessen kann ihn niemand — nicht der Verein, nicht ein späterer Käufer, nicht wir selbst.
- Wer Pageta verändert und als Dienst anbietet, muss seine Änderungen offenlegen. Das regelt §13 der Lizenz. Aus dem offenen Code lässt sich kein geschlossenes Produkt machen, das über das Netz angeboten wird.
- Forks sind ausdrücklich erlaubt. Hört mana eines Tages auf, Pageta zu pflegen, kann jemand anders dort weitermachen.
Was „für immer“ nicht heisst: Es heisst nicht, dass der Dienst unter app.pageta.com für immer läuft. Betrieb braucht Menschen, Geld und Server, wie bei jedem Dienst. Es heisst auch nicht, dass jede künftige Version automatisch unter derselben Lizenz erscheint; das entscheidet, wer die Rechte hält. Es heisst: Was veröffentlicht ist, bleibt frei, und alle können von dort aus weiterbauen. Die Fähigkeit hängt dann nicht mehr an uns.
Die Rechte hält heute Till Jakob als Urheber. Mit der Vereinsgründung gehen sie per Einbringungsvertrag an mana über. An der erteilten Lizenz ändert das nichts.
Veröffentlicht, wie es läuft
Wir haben keinen Auszug zurechtgeschnitten. Veröffentlicht ist der Code, der tatsächlich in Betrieb ist, mit der ganzen Git-Geschichte — Umwege und Fehler eingeschlossen.
Er liegt auf eigener Hardware des Vereins, auf unserem eigenen Forgejo — nicht bei einer Plattform, die ihn morgen anders behandeln könnte. Wer ihn woanders sichern will, darf das: Klonen und Spiegeln ist ausdrücklich erlaubt.
Vorher lief die Prüfliste, die für jede Veröffentlichung von mana gilt:
- Geheimnis-Sweep über die ganze Historie, nicht nur über den aktuellen Stand. Ergebnis: sauber.
- Privat-Marker: Dateien, die als privat gekennzeichnet sind. Ergebnis: keine.
- Lizenztext: vollständig im Repository, nicht nur als Verweis.
- Rechte Dritter: geprüft.
Warum Pageta zuerst
Zwei Gründe.
Erstens: Pageta sagt „kein Tracking“ und „local-first“ — die Daten liegen auf dem Gerät und werden verschlüsselt synchronisiert. Solche Aussagen kann man von aussen nicht glauben, nur prüfen. Prüfen lassen sie sich nur mit offenem Code. Bisher musste man uns beim Wort nehmen. Ab heute nicht mehr.
Zweitens: Die Pocket-Geschichte zeigt, was passiert, wenn ein Lese-Werkzeug einem Unternehmen gehört. Wer Menschen nach Pocket eine neue Leseliste anbietet, muss genau die Lücke schliessen, die Pocket hatte.
Dazu gehört eine zweite Änderung von heute: In den Einstellungen lädt man die ganze Liste per Knopf herunter, als JSON oder als schlichte Adressliste. Ohne Anfrage, ohne Wartezeit. Der offene Code sichert das Werkzeug, der Ausfuhr-Knopf sichert die Daten. Erst beides zusammen heisst: Die Liste gehört denen, die sie angelegt haben.
Was als Nächstes kommt
Weitere Produkte folgen einzeln, jedes erst nach derselben Prüfliste. Nicht gebündelt und ohne Termin: Veröffentlicht wird, was fertig geprüft ist. Ein Fehler beim Veröffentlichen lässt sich nicht zurücknehmen, deshalb gibt es keinen Takt, der Druck macht.
Das Plattform-Monorepo, auf dem Anmeldung, Synchronisation und Betrieb laufen, bleibt aus Sicherheitsgründen geschlossen. Das ist eine bewusste Grenze, kein Versäumnis — und sie steht in Spannung zu unserem eigenen Wert „Offen by default“. Wir benennen das lieber, als es zu glätten.
Offene Punkte
- Selbst bauen ist noch schwer. Pageta braucht heute die mana-Plattform für Anmeldung und Synchronisation, dazu rund zwanzig @mana-Pakete aus einem Paketserver, der noch nicht öffentlich ist. Den Code lesen und prüfen kann man ab heute. Ihn ohne Weiteres selbst bauen oder betreiben noch nicht.
- Offen sind drei Repositorys: Web-App und Server, dazu die Apps für iOS/macOS und Android. Alle drei brauchen zum Bauen noch Bibliotheken des Vereins, die nicht offen sind — die Swift- und Kotlin-Bibliotheken ebenso wie die Web-Pakete.
- Codeeinsicht, kein Support. Fehlermeldungen sind willkommen, eine Antwort ist nicht zugesagt. Forks sind ausdrücklich erlaubt und oft der schnellere Weg als zu warten.
- Ein erster Schritt, nicht die ganze Plattform. Wie oben beschrieben: Die Plattform bleibt geschlossen, weitere Produkte kommen einzeln.
Der Code liegt unter git.mana.how/offen/pageta. Lesen ist erlaubt, Nachprüfen ausdrücklich erwünscht.
Für Leserinnen und Leser von Pageta gibt es eine kürzere Fassung auf dem Pageta-Blog.